Aufsatz in einer Zeitschrift 
Der „Weiler der Königin“ in Versailles : eine Rezeptionsgeschichte
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Nina Gorgus

ÖZV LVII/ 106

erstellten Bildern und Modellen. 1787/88 war die Anlage, bestehendaus rund einem Dutzend Bauten am Rande eines künstlichen Sees,fertiggestellt. Die Gebäude waren von Obst- und Gemüsegärten um-geben und mit über 1000 weiß- blauen Blumentöpfen mit dem Mono-gramm der Königin geschmückt. Da die Häuser authentisch und altwirken sollten, deutete man an den Fassaden mit Farbe Risse imGestein an. Zudem wurden die Häuser mit Weinreben bepflanzt.

Das spartanisch anmutende Äußere stand im totalen Kontrast zuden luxuriös ausgestatteten Interieurs mit kostbaren Wandgemäldenund Möbeln. Dies führte nicht zuletzt dazu, dass innerhalb derKunstgeschichte das Hameau zuweilen allein als Kulisse für modi-sche Spielereien gesehen wird. 12 Mittelpunkt des Ensembles ist dasam See gelegene, größte Gebäude, die Maison de la Reine, in derexklusive Salons größeren Empfängen dienten. Eine hölzerne Galerieverband das Haus mit einem Ban, in dem ein Billard- Saal unterge-bracht war. In einem kleineren Häuschen rechterhand verbarg sichdas Boudoir der Königin. Daneben liegt die Mühle, leicht identifi-zierbar durch ihr- allerdings rein dekoratives- Mühlrad. Sie warebenfalls mit mehreren Räumen für Gäste ausgestattet. Ein weiteresHaus diente als Küche und Arbeitsraum. Hinzu kam die Molkerei, dieschon zuvor ein zentrales Element der französischen Gartenarchitek-tur darstellte. Sie bestand aus einem großen, aufwendig gestaltetenRaum, in dem von Marmortischen Molkerei- Produkte gekostet wer-den konnten. ¹³ Linkerhand der Maison de la Reine, steht der Marlbo-rough- Turm; eine Art Miniaturturm mit Außentreppe. Er ist einemBauwerk der Parkanlage von Ermenonville nachempfunden, eineReminiszenz an Jean- Jacques Rousseau, der in einer Hütte in diesemPark die letzten Wochen seines Lebens verbrachte und dort, vor seinerÜberführung ins Pariser Pantheon, bestattet wurde. Der Turm fälltstilistisch etwas aus dem Rahmen, da er eher an die verspielte Archi-tektur der ,, fabriques erinnert und nicht an ein rustikales Ambiente.Die anderen Gebäude sollten landwirtschaftlich genutzt werden: Siegehörten zum Modell- Bauernhof, der selbst etwas abseits des See-12 Keller( wie Anm. 2), S. 18 ff.; Hamann, Richard: Geschichte der Kunst, Bd. II.München 1954, S. 788. Hier findet man folgende Stelle: Das Hameau gab damals,, Veranlassung und Kulisse für unschuldig- wollendes, kokett- raffiniertes Spielder Gesellschaft um Marie- Antoinette, die hier ihren Freunden Milch aus Sèvres-Tassen reichte, die ihren eigenen Brüsten nachgebildet waren.

13 Heitzmann, Annick: Laiteries royales, laiteries impériales: Trianon et Rambouil-let. In: Histoire de l'art 11( 1990), S. 37–45.