2003, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Der Tagungsband ist in drei Kapitel unterteilt, wobei sich das erste demSpannungsfeld zwischen Nation, Europa und der Welt widmet. Das Ver-hältnis von Gesellschaft und Gemeinschaft und die Frage, wie sich einepolitische Öffentlichkeit aus dem nationalstaatlichen Kontext herauslöstund supranational oder transnational erweitert, wird mit einem deutlichenSchwerpunkt auf Europa behandelt. Im zweiten Kapitel,„ TransnationaleMigrationen, soziale Bewegungen und Transfers", geht es vor allem um die,, flows" und den Austausch von Menschen und Wissen. Wie sich diese,, flows" auf Identitäten und Öffentlichkeiten auswirken, wird anschaulichmit Beispielen verdeutlicht. Das dritte und letzte Kapitel zu transnationalenNichtregierungsorganisationen und Expertennetzwerken beleuchtet danndie neuen Strategien von Institutionen und Individuen, die sich außerhalbder Organe von Welt- oder Europaorganisationen befinden. Gerade andiesen Beiträgen lässt sich sehr schön erkennen, dass Transnationalität nichtnur Strukturen, Institutionen und Organisationen erfordert, sondern auchtransnationale Akteure, die gewisse Normen und Praktiken durchzusetzenversuchen. Das facettenreiche und spannende Feld der neueren Entwick-lungen um Transnationalität ist ja nach wie vor eines der Minderheitenund die Diskussion darüber fängt gerade erst an.
Katerina Kratzmann
GRIESEBNER, Andrea, Christina LUTTER( Hg.): Die Macht der Kate-gorien. Perspektiven historischer Geschlechterforschung(= Wiener Zeit-schrift zur Geschichte der Neuzeit 2/2002, Heft 2). Innsbruck/ Wien 2002,160 Seiten.
Nach zwei Jahrgängen zu je zwei Heften ist es an der Zeit, auf ein ambitio-niertes neues Zeitschriftenprojekt auf dem Gebiet der historischen Kultur-wissenschaften hinzuweisen: die am Institut für Geschichte der UniversitätWien angesiedelte„ Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit". Einbreites Board unter der Leitung des geschäftsführenden Herausgebers Wolf-gang Schmale steht hinter dieser Halbjahresschrift, um deren regelmäßigeRubriken ,, Berichte“,„, Rezensionen“ und- eine beachtenswerte Innovati-on- ,, Neu gelesen" sich jeweils zuständige Redakteurinnen und Redakteurekümmern, während wechselnde Herausgeberinnen und Herausgeber für dieauf die Heftthemen zugeschnittenen Beiträge und ein regelmäßiges ,, Fo-rum" verantwortlich zeichnen. Das ergibt fast so etwas wie ein KuratorIn-nenmodell und also inhaltlich deutlich gestaltete Hefte mit thematischpräzise abgestimmten Texten. Die WZGN ist also eine dem Prinzip der