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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVII/ 106
Strickbadehose, unterwegs mit Sonnenschirm und-hut und Köfferchengeht Beatrice Schumacher stärker auf das Thema Orte ein. Unter Zuhilfe-nahme des Konzepts, touristische Zonen als liminale Zonen aufzufassen,beschreibt Schumacher die Ferien als Dazwischen- Sein, Verwandlung, Aus-tausch, Befreiung von Normen und Karneval.
Während Einleitung, Teil 1 und der Schluss meine Erwartungen erfüll-ten- davon hätte ich sogar gern mehr gelesen-, war für den dicken Mittel-teil( S. 155-369) mitunter einiges an Motivation nötig. Der poppige Um-schlag und der Klappentext weckten- bei mir jedenfalls- bestimmte Vor-stellungen, in denen die detaillierte sozial- und wirtschaftsgeschichtlicheDarstellung dreier Schweizer Ferienanbieter, mitsamt ihren Verwaltungs-strukturen, Modi der Entscheidungsfindung und personellen Querelen, nichtenthalten war. Vielleicht hätte mir das Buch noch besser gefallen, wenn ichdie Lektüre ohne Cover und Klappentext begonnen hätte. Anders gesagt:Auf den eigentlichen Schwerpunkt des Bandes hätte im Untertitel oder imKurztext hingewiesen werden können.
Nikola Langreiter
HEISS, Hans: Der Weg des„, Elephanten“. Geschichte eines großenGasthofs seit 1551. Bozen/ Wien, Folio Verlag, 2002, 208 Seiten, Abb.
Mit dieser Arbeit über die Geschichte des berühmten Südtiroler Gasthofsbetreibt der Autor anthropology at home im wahrsten Sinn des Wortes, dennmit dem ,, Weg des, Elephanten" beschreibt Hans Heiss nicht zuletzt auchdie Geschichte seines Elternhauses und seiner Familie. Der Historiker,Sohn und Bruder bewegt sich gut im Spannungsfeld von bestehender Näheund angebrachter Distanz; der Versuch einen„, lakonischen Ton anzuschla-gen“( S. 9), ist gelungen. Wenn es sich da tatsächlich um einen Effekt derPatenschaft von Sam Lightnin' Hopkins, Percy Mayfield und Albert Kinghandelt, dann sollten sie diesbezüglich öfter bemüht werden. Montage istdie bevorzugte Darstellungstechnik, die reich bebilderten Texte sind allge-mein verständlich, dabei nicht unwissenschaftlich. Heiss betont, sich aufWesentliches beschränkt zu haben- trotzdem wird der, Normalität ebensoRaum gegeben wie glanzvollen Momenten, Krisen und Brüchen.
Der Wissenschaftler nähert sich der Geschichte aus der Perspektive derInhaberfamilien. Dieser Zugang ist der historisch engen Verflechtung von
1 Er widmet das Buch seiner Mutter, die mehr als 50 Jahre lang Wirtin des,, Elephanten" war und kurz vor Erscheinen des Bandes verstarb.