Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

Gesamtheit natürlich nicht annähernd faßbar[ sind]", bleibt zu hoffen, dassnicht die letzte Annäherung an das facettenreiche

er dieser Bericht

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Thema bleiben wird.

Olaf Bockhorn

SCHUMACHER, Beatrice: Ferien. Interpretationen und Popularisie-rung eines Bedürfnisses. Schweiz 1890-1950. Wien/ Köln/ Weimar, BöhlauVerlag, 2002, 418 Seiten.

Auf dem sonnig gelben Umschlag des dicken Bandes öffnet eine sportlichejunge Frau mit Kopftuch ihren Anorak und gibt den Blick auf eine sonnigeWinterlandschaft frei- ,, Innere Kraft... durch Winterferien". Unter diesemPlakat stehen knallrot, groß und fett der Titel Ferien und dezenter derUntertitel. Der Werbetext auf der Buchrückseite verspricht Historisierungund intellektuelle Reflexion des Phänomens Ferien, kündigt an, dass hierder Frage nachgegangen wird, wie Ferien zum Bedürfnis ,, aller"(?) gewor-den sind. Der Horizont wird als weit bezeichnet, die Untersuchung alsexemplarisch. Die Schweiz als gewähltes Untersuchungsgebiet wird als inZeiten radikaler politischer und wirtschaftlicher Umbrüche verhältnismäßigstabil charakterisiert. Auch auf die Herangehensweise der Autorin gibtbereits dieser Text erste Hinweise- es gehe ihr um einen erweiterten,, sozialgeschichtliche[ n] Zugang", wichtig seien kulturwissenschaftlicheAnsätze( vor allem zu Popularisierung und Konsum, in der Arbeit werdenetwa Ueli Gyr, Wolfgang Kaschuba oder Kaspar Maase herangezogen) unddarüber hinaus integriere Beatrice Schumacher Perspektiven der Genderfor-schung( sie bezieht sich unter anderem auf Karin Hausen, Regina Wecker,Ulla Wikander). Und nicht zuletzt sei sie ,, durch diskursanalytische Metho-den im Anschluss an Foucault" inspiriert( im Literaturverzeichnis vertretenist die ,, Archäologie des Wissens, vermittelt vor allem durch die US- ame-rikanische Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Nancy Fraser, wie dieHistorikerin schreibt).

In der Einleitung werden ,, Ferien"( in der Schweiz der übliche Terminusfür Urlaub) als Thema eingeordnet, die Autorin liefert dabei auch einenÜberblick zu historischer Freizeitforschung inklusive Kritik. Sie hat Vor-behalte gegenüber den gängigen Modellen, lehnt deren implizite Fort-schrittslogik ab und insbesondere die häufig elitäre, kulturkritische Sicht.Im Gegensatz zu den meisten vorliegenden Arbeiten, will sie ,, das Selbst-evidente des Untersuchungsgegenstandes, Ferien( S. 13) überwinden undFerien ,, als solche( S. 15) thematisieren. Neben einer Liste von eigenen