2003, Heft 2
Literatur der Volkskunde
213
―
Den umfangreichsten Teil des Buches bilden sodann die 55 Bildtafeln,die aus verschiedenen Ländern stammen, weitgehend chronologisch( vom12. bis zum beginnenden 16. Jahrhundert) geordnet und von jener Qualitätsind, die man von diesem Verlag aus vielen Publikationen gewohnt ist.Leider sind die begleitenden und auf eine Seite beschränkten Kommentareein wenig zu vereinfachend und teilweise fälschlich verallgemeinernd aus-gefallen: So war etwa wie im Textteil zu Tafel 16( ,, Brötchenbacken")erläutert der Verzehr von Weißbrot zu Ende des 14. Jahrhunderts keines-wegs allgemein, also europaweit üblich( siehe dazu: Sandgruber, Roman:Die Anfänge der Konsumgesellschaft. Wien 1982, S. 143). Korrekt ist dieAussage nur dann, wenn man sie auf das Herkunftsland des Bildes, nämlichItalien, bezieht. Ähnliches gilt auch für den Begleittext zu Tafel 23( ,, Ban-kiers"), in welchem der Autor schreibt, dass sich der mittelalterliche Bankierals christlicher Geschäftsmann fühlte. Möglicherweise mag das für Italien,woher die Abbildung kommt, zugetroffen haben; für Deutschland und Öster-reich kann eine solche Aussage jedenfalls nicht, zumindest nicht generellgemacht werden( vgl. etwa: Daxelmüller, Christoph: Jüdische Kultur inFranken. Würzburg 1988, S. 67, 75).
Wer ein wissenschaftlichen Zwecken genügendes Werk erwartet hat, wirdjedenfalls enttäuscht sein( wozu auch das äußerst karge Literaturverzeichnisbeiträgt), den Band aber wegen seiner Abbildungen dennoch mit gewissemGewinn zur Hand nehmen. Insgesamt aber ist dieses„ Bilderbuch" mitTextteil für an der Welt des Mittelalters interessierte Laien bestimmt- obdiese ,, Rechnung“ des Verlages angesichts eines Buchhandelspreises von 49Euro aufgehen wird?
Elisabeth Bockhorn
GRIESEBNER, Andrea, Martin SCHEUTZ, Herwig WEIGL( Hg.): Jus-tiz und Gerechtigkeit. Historische Beiträge( 16.- 19. Jahrhundert). In Ko-operation mit dem Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit, Wien(= Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit, Bd. 1), Innsbruck/ Wien/München/ Bozen, Studien- Verlag, 2002, 490 Seiten.
Der Band soll nach den Wunschvorstellungen der Herausgeber über diehistorische Forschung hinaus eine Brücke zu anderen Disziplinen schlagen,den Rechtswissenschaften, der Ethnologie oder auch der Soziologie. Dochzunächst beschäftigt man sich mit dem Begriff Justiz, der auf der institutio-nellen normativen Ebene anzusetzen ist, ohne auf die vom„, Recht" passivBetroffenen einzugehen. ,, Gerechtigkeit" hingegen hat mit subjektiv erleb-