Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

METZGER, Wolfgang: Handel und Handwerk des Mittelalters im Spie-gel der Buchmalerei. Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 2002,168 Seiten mit 8 Abb. und 55 Tafeln.

Das vorliegende Buch, Teil einer Reihe mit dem vielversprechenden Titel,, Lebensbilder des Mittelalters", enthält vier einleitende Kapitel( Buchma-lerei; Handwerk; Handel und Verkehr; Bild und Wirklichkeit), einen quali-tativ hochwertigen Bildteil mit Kurzkommentaren sowie eine abschließendeBibliographie.

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In ,, Buchmalerei" gibt der Autor einen allgemein gehaltenen kurzenÜberblick: Er zeigt die Entfaltung und Höhepunkte dieser Kunst, umreißtden Inhalt der Darstellungen und weist auf die Zentren der Herstellung hin( anfänglich Klöster, im weiteren Verlauf zunehmend große Städte wie z.B.Paris, Bologna und Prag). Weiters geht er auf die verwendeten Materialienein, beginnend beim Papyrus über das Pergament bis hin zum Papier. Auchüber die Herstellung von Büchern und die daran beteiligten Handwerke wirdman informiert. Der zweite Teil ,,, Handwerk", behandelt dessen Entwick-lung, ebenfalls in Klöstern und Städten, seine bruderschaftliche und zünfti-sche Organisation sowie neue Techniken und soll offensichtlich das Basis-wissen für den umfangreichen Bildteil vermitteln- allerdings ist er mit neunSeiten denn doch etwas zu knapp geraten. Das gilt auch für den drittenAbschnitt über, Handel und Verkehr" wohl ebenfalls als Einstieg zumbesseren Verständnis der Bildtafeln gedacht-, in dem man einiges überMärkte, Läden und Geschäfte, über Händler und Kaufleute sowie die mit-telalterliche Geldwirtschaft nachlesen kann. Und im letzten kurzen Text-teil- ,, Bild und Wirklichkeit"- betont der Verfasser, dass bildliche Darstel-lungen und Realität nicht immer deckungsgleich sein müssen: Phantasie,Überhöhung, Übernahme von Vorbildern( etwa aus der Antike) sollten beider Interpretation von Buchmalerei immer mitgedacht und beachtet werden.Sodann verweist er auf verschiedene Produkte und spezielle Werkzeuge, dieschlussendlich zum Symbol für ein gesamtes Handwerk( z.B. für Schneider,Fleischer oder Maurer) wurden. Allerdings erfolgte die Darstellung vonHandel, Handwerk und Alltag zumeist in einem sakralen Umfeld, oftmalsals Randillustration; erst im 15. Jahrhundert drängten fallweise die Alltags-szenen das eigentliche religiöse Bildthema in den Hintergrund. Insgesamt,so resümiert der Autor, dürften diese Malereien damals wohl eher das,, Schmuckbedürfnis" des Lesers befriedigt haben( wobei nicht darauf ein-gegangen wird, wer in jener Zeit wirklich Bücher besaß, geschweige dennsie lesen konnte); heute können sie, so W. Metzger, dem interessierten Laien,der nur schwer Zugang zu schriftlichen Dokumenten und Urkunden findet,einen doch recht guten Einblick in das mittelalterliche Leben bieten.