Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

Biographie Korffs als auch das Museums- und Ausstellungswesen und somitletztlich die Disziplin Volkskunde/ Europäische Ethnologie umfasst, undverorten Korffs Tätigkeit in einem Netzwerk, in einem Spannungsfeldzwischen Theorie und Praxis, zwischen Deutungsangebot und Reaktion. Dievierte und abschließende Einheit verweist auf eine weitere Facette derKorffschen ,, Intervention" in das Museums- und Ausstellungsfeld: seineKritik an der musealen Praxis. Wie er schon die Tätigkeit des Museums imSpannungsbogen zwischen deponieren und exponieren, d.h. im Verhandelnzwischen Gegenwart und Vergangenheit ansiedelt, ist für ihn die gegen-wartsbezogene Perspektive Ausgangspunkt für historische Ausstellungen,die ,, nicht ein Geschichtsbild auf Hochglanz und im Fixativ anbieten[ dür-fen], sondern[...] tatsächlich ein Forum sein[ sollen], wo der Diskurs überdie Vergangenheit sich am Gegenständlichen entwickelt im Lichte desgegenwärtigen geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisstandes und gegen-wärtiger Fragestellungen( S. 123). Korffs Kritik beschränkt sich freilichnicht auf Ausstellungsmacher; er stellt auch Defizite in den historisch- an-thropologischen Wissenschaften fest, die sich bisher des Themas ,, Muse-ums- und Ausstellungshistoriographie nur in rudimentärer Form( S. 24)angenommen haben.

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Diese Belebung eines reflexiv- kritischen Diskurses zwischen AkteurIn-nen der Expositionspraxis und KulturwissenschafterInnen hoffen die Her-ausgeberInnen initiiert respektive vorangetrieben zu haben. Der Band machtjedenfalls nachvollziehbar, wie sich das Denken des Museumstheoretikersund-praktikers entwickelt hat, und weist Korff als einen selbstkritischenDenker aus, der auch eigene Standpunkte revidiert( vgl. z.B. S. 137), wes-halb ein Vor- oder Nachwort von ihm wünschenswert gewesen wäre. Insge-samt ist der Band ,, Museumsdinge. Deponieren- exponieren eine großeVerbeugung vor der Person, dem Lehrer und dem Gelehrten Gottfried Korff.Monika Sommer

GRABNER, Elfriede: Mater Gratiarum. Marianische Kultbilder in derVolksfrömmigkeit des Ostalpenraumes. Wien/ Köln/ Weimar, Böhlau Verlag,2002, 158 Seiten, 69 Abb., davon 32 in Farbe als Tafel- Block.

Das Buch ist Leopold Kretzenbacher im Jahr seines 90. Geburtstages ge-widmet und von der Intention, Ausstattung und Machart ganz seinen Zusam-menfassungen gelehrter Einzelbeiträge aus dem Felde der christlichen Iko-nographie und ihren Beziehungen zur sogenannten Volksfrömmigkeit nach-gebildet. Die Autorin, selbst schon Professorin im Ruhestand, sagt damit