Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LVII/ 106, Wien 2003, 201-246
Literatur der Volkskunde
BOŠKOVIĆ- STULLI, Maja, Ljiljana MARKS: Usmene priče iz Župe iRijeka Dubrovačke( Mündliche Erzählungen aus Župa und Rijeka Dubro-vačka). Zagreb MMII.(= Ex libris, Hrvatska književna baština/ Das kroati-sche Literatur- Erbe). Band 1 als Sonderdruck in Buchform, S. 441-523).
Es ist erstaunlich, mit welcher Kraft meine Agramer Kollegin, Frau MajaBošković- Stulli( M. Matičetov in: Enzyklopädie des Märchens, Bd. II,Lieferung 3/4, Sp. 634-636;) nach vielen Jahrzehnten gemeinsamen Su-chens nach dem so unglaublich reichen und vielgestaltigen Leben derVolkskulturen Südost- Europas trotz so bitteren Lebenserfahrungen( vgl. L.Kretzenbacher, in: Südost- Forschungen, Bd. 58, München 1999, S. 631 f.)immer wieder imstande ist, wertvolles, meist ursprünglich bewahrtes undnicht stilisiertes Erzählgut vorzulegen; hier zusammen mit sieben Photogra-phien von weiblichen und männlichen Erzählern in den Erzählpausen anihrem Arbeitsplatz. Es sind geglückte Aufnahmen für das Bild- und Tonar-chiv und seinen reichen handschriftlichen Sammlungen im Institut fürEthnologie und Folkloristik in Zagreb/ Agram. Dem gehörte Frau Bošković-Stulli von seinen Anfängen an als besonders tätiges Mitglied und als Vorbild fürdie Mitarbeiterinnen und Kollegen an. Das wurde auch mit dem Hamburg- Wie-ner Herderpreis und dem G. Pitré- Preis zu Palermo gebührend bedankt.
Die Besonderheit der oft nur knapp andeutenden 72 mündlichen Erzäh-lungen aus dem Dörflichen der nördlichen wie der südlichen Nähe der auchvon mir oft allein oder mit Grazer, Kieler und Münchener Studenten besuch-ten Stadt, die bis in die napoleonische Zeit ein Stadt- Staat gewesen war,lebte bis um die Mitte des 20. Jahrhunderts mit eigenartig verbleibenderländlicher, durch lange Jahrhunderte schriftunkundiger Bevölkerung fort.Dies sei auch nach der„ Öffnung“ in Richtung volkskundlicher Aufnahmenihres Erzählgutes angemerkt. Dieses Erzählgut erscheint hier nun nach AnttiAarne- Stith Thompson, The Types of the Folktales, 1961, fachkundig er-schlossen. Das Sonderdruck- Buch spart nicht mit ausreichenden Hinweisenund erschließt sich auch durch ein gesondertes Verzeichnis mit Literaturanga-ben zur Fülle kroatischer wissenschaftlicher Untersuchungen der Erzählfor-scher bis in die späten neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Einen Wunsch darf sich auch ein Rezensent erlauben. Er betrifft die Fragenach dem auf den Seiten 512 und 517 vorkommenden kleinen, koboldarti-