Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde106 (2003) / N.S. 57Omahna, Manfred: Über die Notwendigkeit einer Differenzierung städtischer Wahrnehmung

  
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Über die Notwendigkeit einer Differenzierung städtischer Wahrnehmung
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2003, Heft 2

Mitteilungen

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der Wolkenkratzer als Wohlstandsmetaphern und wetteifern wie einst dieGeschlechter im Mittelalter darum, wer den höchsten Turm besitzt. Damalswie heute ist die Skyline nicht zuletzt Selbstdarstellung in der Senkrech-ten.6 Hier wird der herrschende Diskurs, die Herstellung von Bedeutungals Streben nach einer Art universeller Semiotik, universeller Weltwirtschaftund universeller Gesellschaftsordnung deutlich.

In Verbindung mit diesem öffentlichen Diskurs, der eine positive"Identität schaffen will, steht der Diskurs über die technische Ausstattung desGebäudes. Das Motto für das, intelligente Gebäude Main Tower lautet:absolute Offenheit gegenüber Neuem. Damit wird versucht, den HäusernLeben einzuhauchen, wie einer Maschine oder einem Computer, der oben-drein auch noch lernfähig sein kann. Dass die Sinngebung immer kulturellesProdukt ist, wird mit der Zuschreibung technischer Funktionen abstrahiert.Manfred Tafuri meint sogar, dass Wolkenkratzer heute als lebendige Größeneigenen Rechts gelten. Demnach können Gebäude wie Wolkenkratzer auchals krank bezeichnet werden, und zwar dann, wenn ein defektes Belüftungs-system abgestandene, bakterienhaltige Luft zirkulieren läßt. Es sind diePlaner und Planerinnen, die intelligent sind und die technische Ausstattungder Häuser entwerfen, nicht die Gebäude. Dennoch werden derartige Syn-onyme auf die Gegenstände übertragen und es entstehen Ausdrücke wie,, intelligente Elektronik, intelligente Fassade und in der Folge ,, intelli-gente Häuser". Der Raum als Ort, wo Macht sich behauptet, tritt hier in ihrersubtilsten Form als symbolische Gewalt zutage. Zutrittsberechtigungs-systeme zu bestimmten Räumen oder Abschnitten eines Hochhauses, aus-geklügelte Aufzugssysteme 10, raffinierte Kühl- und Heiztechniken, hausei-gene Blockheizkraftwerke gehören zu den Standardeinrichtungen und wer-den als Teile eines Organismus dargestellt. Die Erweiterung und Einbindungin komplexe computergesteuerte Gesamtsysteme ist nur mehr ein weitererSchritt. Das Haus organisiert, teilt ein und wird dadurch scheinbar alsÄquivalent des Menschen erklärbar. Computeranschlüsse in den Gästezim-mern des Marriott- Hotels verweisen auf die zunehmende Automatisie-rung" der Häuser.

6 http: //www.frankfurt. wolkenkratzer.at( 05.06.1999).

7 Vgl. http://www.maintower.helaba.de( 06.02.2002).

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8 Vgl. Dupre, Judith: Wolkenkratzer Die Geschichte der berühmtesten undwichtigsten Wolkenkratzer der Welt. New York 1996, S. 55.

9 Vgl. Bourdieu: Ortseffekte( wie Anm. 4), S. 21.

10 In den insgesamt 2,5 km langen Aufzugsschächten des Main Towers steheninsgesamt 23 Personenaufzüge, 2 Parkhausaufzüge, 3 Lastenaufzüge sowieKüchen- und Müllaufzüge zur Verfügung. Vgl. http://www.maintower.helaba.de/( 06.02.2002).