Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde106 (2003) / N.S. 57Beňušková, Zuzana: Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalka in Bratislava

  
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Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalka in Bratislava
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Zuzana Beňušková

ÖZV LVII/ 106

genannt Zrkadlový haj( Spiegelhain) überragt durch seine Qualitätden üblichen Rahmen in der Siedlung. Der Stadtteil organisiert Ver-anstaltungen mit einer Tendenz, zur lokalen Tradition zu werden undzur Festigung der Identität beizutragen, etwa die Petržalka- Tage,Maskenbälle, Sportveranstaltungen wie Ruderregatten oder Fußball-spiele. Kulturell- gesellschaftliche Veranstaltungen finden auch aufanderen Organisationsebenen statt- in Schulen, Kindergärten, Ver-einen, ja auch in der Selbstverwaltung eines Hauses, die aber ehereine Ausnahme bildet. Das Freizeitangebot am Donauufer ergänzenkulturelle, Messe- und Handelseinrichtungen von gesamtstädtischerBedeutung( Theater Arena, Unterhaltungs- und GeschäftszentrumAupark, Ausstellungsanlage Incheba).

Eine gewisse Rolle spielen auch unpersönliche Kommunikations-formen im Wohngebiet wie etwa Anzeigetafeln, Reklameflächen undMassenmedien wie Lokalzeitung und Fernsehen. Sie helfen, sich zuorientieren, sie vermitteln Informationen, Meinungen zu aktuellenProblemen, sie zeigen einen bestimmten Teil des Lebens in derSiedlung auf. Das gelingt vor allem der Zeitung. Das Lokalfernsehenvon Petržalka ist von sehr schlechter Qualität. So wie viele Sied-lungen, entstand Petržalka auf dem Boden einer Stammgemeinde.Von ihr sind nur Torsi und ein Viertel mit Einfamilienhäusern undGärten am Westrand übrig geblieben. Die alten Häuser werden zuFirmensitzen umgebaut. Ein Teil der ursprünglichen Einwohner lebtin Plattenbauten, stellt aber nur einen geringen Prozentsatz der Sied-lungsbewohner. Sie haben wenig Einfluss auf die Gestaltung derBeziehungen der Bewohner zur Wohnsiedlung. Im alten Teil vonPetržalka gibt es einen einzigen Friedhof. Die meisten Siedlungs-bewohner werden aber in anderen Teilen Bratislavas beerdigt. Überdie Gräber der Vorfahren entsteht somit keine Identität zu Petržalka,dazu ist die Siedlung auch noch zu jung.

Die Dynamik der Entwicklung ist markant, auch in kürzeren Zeit-intervallen. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind zu den nega-tiven Charakteristika der Siedlung weitere allgemein- gesellschaftli-che Entwicklungstendenzen hinzugekommen: Individualismus,Besitzdifferenzierung, Anstieg der Kriminalität und Drogensucht,Arbeitslosigkeit, Abbau der Vorschuleinrichtungen, Privatisierung,kommerzielle Nutzung von öffentlichen Freiräumen usw. Auf deranderen Seite ist in den letzten Monaten ein gewisser Bruch in derBewertung der Wohnsiedlung durch ihre Einwohner zu beobachten.