Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde106 (2003) / N.S. 57Beňušková, Zuzana: Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalka in Bratislava

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalka in Bratislava
Einzelbild herunterladen
 
  

160

Zuzana Beňušková

ÖZV LVII/ 106

tierungszeichen dienen, z.B. Ich wohne bei Billa,... am See,... beimTesco. Die Nähe wichtiger Objekte steigert häufig die Bewertungdes Wohnviertels, auch wenn es oft sehr relative Werte sind. DieRandteile bieten den Bewohnern ein Erholungshinterland, einigeauch die Nähe zum Zentrum Bratislavas, also die Nähe zu einerUmweltalternative( Blick auf die Burg, Grünanlagen, Wasserflä-chen). Der Wohnort ist somit ein wichtiges Element der Identifikationdes Menschen mit seiner Umwelt und der Bewertung ihrer Qualitäten.In das Leben der Einwohner von Petržalka traten vor zwei Jahrendie Einkaufszentren, die dicht neben der Wohnanlage errichtet wur-den. Diese sog. ephemeren Bauten mit minimaler architektonischerGestaltung wurden zum meistbesuchten Ort, Petržalkas auch durchdie Bewohner anderer Viertel Bratislavas und von außerhalb derStadt. Die Menschen verbringen hier sogar Teile des Wochenendes.Diese Einkaufsmärkte griffen auch in das Leben entfernterer Gebieteein. Sie gefährden kleine Gewerbetreibende, die nach 1989 in denEingangsbereichen der Wohnhäuser Geschäfte gegründet haben, wo-mit sie damals auch zur Schaffung einer familiäreren Atmosphäre imWohngebiet beigetragen hatten. Die Popularität der Einkaufszentrenüberschattete die ablehnenden Stimmen der Einwohner anliegenderHäuser. Paradoxerweise ist der Einkaufsmarkt, der von den Wohn-häusern etwa 100 m entfernt steht, die ganze Nacht über geöffnet. Voxpopuli ist in Petržalka allgemein schwächer als die Interessen derInvestoren. Und der Investor respektiert nicht die Bedürfnisse vonTeilen der Wohnsiedlung nach nächtlicher Ruhe, sondern er will ausallem möglichst viel herausholen. Der Widerstand der Bewohnerrichtete sich vor allem gegen Tankstellen und Großgaragen. Als dieBürger nach vergeblichen Protesten verstummten, konstatierten diestädtischen Beamten, dass schließlich auch die protestierenden Ein-wohner begriffen hätten, dass der Bau nutzbringend sei. Die ver-lorenen Schlachten um die Umweltqualität aber bestärken finanzkräf-tigere Einwohner in dem Gedanken, Petržalka zu verlassen. DieWohnsiedlung verliert so die Schicht jener Menschen, an denen ihrgelegen ist. In Bratislava ist es leider bislang noch nicht üblich, wieetwa in Wien, dass an einem Bauwerk eine Tafel mit dem Namen desBürgermeisters, der sich um diesen Bau verdient gemacht hat, ange-bracht wird.

Das Miteinanderleben von Menschen aus sozial unterschiedlichenSchichten mit unterschiedlicher Finanzkraft in einem Haus bringt