Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde106 (2003) / N.S. 57Beňušková, Zuzana: Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalka in Bratislava

  
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Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalka in Bratislava
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2003, Heft 2 Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalka in Bratislava

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In knapp 30 Jahren ist hier jedoch eine neue Generation herange-wachsen. Für diese Menschen bedeutet Petržalka das Zuhause, zudem sie eine Gefühlsbeziehung haben, sie kennen kein anderes. DasMilieu der Siedlung formte sie und sie formen das Milieu. Wirbeurteilen die Qualität eines Milieus( auch die Qualität der Men-schen?) häufig nach den grauen Häusern mit den beschmierten Mau-ern, den darbenden Grünanlagen und der Menge abgestellter Autos.Doch die Bewohner haben sich an die visuellen Eindrücke gewöhntund gelernt, ihre Wahrnehmung zu unterdrücken. Sie bewerten andereQualitäten ihres Wohngebiets.

Aus öffentlichen Meinungsforschungen, die auch meine eigenenErfahrungen aus Erhebungen bestätigt haben, ergeben sich fürPetržalka vor allem folgende positive Bewertungen: Nähe zum Stadt-zentrum und zur Staatsgrenze, begehrte Naherholungsgebiete, gutezwischenmenschliche Beziehungen unter der mittleren und jüngerenGeneration( Nachbarkreise sind zum Teil auch Bekannten- undFreundeskreise). Auf die Bewertung des Milieus üben das Territoriumder Wohnsiedlung, also der Ort, wo man wohnt, die Größe desHauses, die Zusammensetzung der Hausbewohner, großen Einflussaus. Petržalka ist in sich differenziert, und nicht alle Teile werdengleich bewertet.

Der Einzelne identifiziert sich mit dem Teil, wo er wohnt, abernicht mit dem Ganzen. Das traditionelle System der Attraktivität desRaums in Richtung vom Stadtkern zu den Rändern hin funktionierthier gerade umgekehrt. Am begehrtesten sind die Randzonen und amwenigsten attraktiv ist die Mitte. Die ganze Wohnanlage( Hochhäu-ser) steht isoliert in einem unbesiedelten Raum. Das Rathaus befindetsich in einem Hochhaus im Zentrum. Es ist von frequentierten Straßenumringt und seine Umgebung stellt keinen besonders bevorzugtenWohnraum dar. Die größten Kulturzentren stehen ebenfalls anStraßen, aber Plätze bzw. Parkanlagen können bei ihnen nicht entste-hen. Diese findet man schon eher in den Vierteln, wo der Alltagsbe-trieb pulsiert- hier gibt es Geschäfte und Schulen, man kann auf einerBank sitzen, sich mit Freunden, Bekannten treffen u.a.m. All daserzeugt ein Gefühl der Eingliederung in den sozialen und materiellenRaum, ein Gefühl von Zuhause. Im Nebenviertel hat man ein solchesGefühl schon nicht mehr. Positiv auf die Identifizierung mit demRaum können auch Objekte wirken, die von Menschen aus anderenTeilen der Stadt oder Bratislava besucht werden und auch als Orien-