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Zuzana Beňušková
ÖZV LVII/ 106
Forschungsdefizit an Fallstudien mit vergleichenden Untersuchun-gen, die nationale gegenüber internationalen Trends herausarbeitenund deren Ursachen analysieren.“ I
Dieser Beitrag will auf Aspekte hinweisen, mit denen die Ethno-logie zum Wissen über die Wohnsiedlung und ihre Bewohner beitra-gen kann. Ausgangspunkt ist der Blick auf das Wohngebiet Petržalkaam rechten Donauufer in Bratislava, das mit seiner Einwohnerzahlselbst die drittgrößte Stadt der Slowakei sein könnte. Es ist und istauch wieder nicht die Peripherie von Bratislava. Obwohl nur etwa1 km vom Stadtzentrum entfernt, ordnen es seine städtebaulichenParameter den Randzonen der Stadt zu. Hier ist die Berührungszonedes Dreiländerecks Slowakei – Österreich- Ungarn. Im 20. Jahrhun-dert war Petržalka( dt. Engerau) die größte Gemeinde der Slowakei.Während des Zweiten Weltkrieges war das Gebiet noch nicht Teil vonBratislava, auch nicht der Slowakei – dieses Donauufer gehörte zumDeutschen Reich. Den Massenumzug in die neue Wohnsiedlung inPetržalka in den siebziger Jahren empfanden die gebürtigen Bratisla-vaer geradezu als einen Auszug aus ihrer Stadt.³
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Für die Wohnsiedlung Petržalka sind gegenüber anderen Wohnge-bieten somit mindestens drei Charakteristika typisch: 1. die Größe130 000 Einwohner, 2. die Lage- nahe dem Zentrum von Bratislava,nahe der Natur, nahe der Staatsgrenze, 3. Einwohner aus der ganzenSlowakei leben hier. Seit ihrer Entstehung in den siebziger Jahren des20. Jahrhunderts genießt die Wohnsiedlung in der Öffentlichkeit ei-nen schlechten Ruf, teils der Realität entsprechend, teils durch Vor-urteile bedingt: Anonymität, Kriminalität, Indifferenz des Milieus,höhere Scheidungsrate, Kaninchenstall, Bronx, Drogennest oderDschungel. Die Einwohner wurden langfristig in der Meinung be-stärkt, dass sie in einem minderwertigeren Milieu leben als dieBewohner anderer Stadtteile von Bratislava.
1 Burdack, Joachim, Günter Herfert: Neue Entwicklungen an der Peripherie euro-päischer Großstädte. In: Europa Regional 6( 1998), 2, S. 26–43.
2 Die Studie wurde im Rahmen des Grantprojekts VEGA, Nr. 2/1050/21 erarbeitetund auf einem Symposium im Rahmen des Projekts Aktion Österreich- Slowakei,, Randgebiete mitteleuropäischer Städte- Struktur und Dynamik räumlicher undsozialer Prozesse in den Städten Wien und Bratislava" in Wien vorgetragen.3 Eine analoge Situation beschreibt Claudia Peschel- Wacha:„, LebensbezirkDonaustadt“. Zur Imagebildung eines Wiener Gemeindebezirks. In: Bockhorn,Olaf, Gunter Dimt, Edith Hörandner( Hg.): Urbane Welten. Wien 1999, S. 143–160.