Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVII/ 106, Wien 2003, 157–164
Lebensqualität in der Wohnsiedlung Petržalkain Bratislava
Zuzana Beňušková
Ausgangspunkt dieses Beitrags ist der Blick auf das Wohnge-biet Petržalka in Bratislava, das mit seiner Einwohnerzahlnach Bratislava selbst und nach Košice die drittgrößte Stadtder Slowakei sein könnte und das einen schlechten Ruf ge-nießt. Die Einwohner fühlten sich langfristig in ihrer Meinungbestärkt, dass sie in einem minderwertigeren Milieu leben alsdie Bewohner anderer Stadtteile von Bratislava. In knapp 30Jahren ist hier jedoch eine neue Generation herangewachsen,für die Petržalka ihr Zuhause bedeutet. Der Beitrag erhellt dieDeterminanten, die die Beziehungen zur Wohnsiedlung in denletzten Jahren positiv oder negativ formierten und benennt dieForschungsbereiche, in denen die Ethnologie zur Kenntniseines heutigen Stadtmilieus beitragen kann.
Die Randzonen der Großstädte haben in den zurückliegenden Jahr-zehnten bedeutsame Veränderungen erfahren. Die ehemaligen Indu-striezonen und Randgemeinden wurden Teil der Großstädte undWohnhinterland mit einer beträchtlichen Einwohnerzahl. Die au-tochthonen Bewohner der in das Gemeindegebiet der Städte einge-gliederten Gemeinden wurden damit Nachbarn von Zuwanderern ausverschiedenen Teilen der Stadt, vom Land ,. von In- und auch Auslän-dern. So entstanden ganz spezifische Konfigurationen von Kulturen,Lebensstilen und Lokalkoloriten, die Ethnologen einen großen Frei-raum für Forschungsaktivitäten bieten. Die Bedeutung solcher For-schungen verschiebt die Interessen der Ethnologie aus dem Bereichdes Kulturerbes in jenen ganz aktueller praktischer Bedürfnisse derheutigen Welt. Die qualitativen Forschungsmethoden der Ethnologiemit ihrer Analyse der Mikrowelten bilden einen Gegenpol zu dentechnokratischen Zugängen zum heutigen Stadtmilieu. Nicht zufälligkonstatieren J. Burdack und G. Herfert: ,, Es besteht hier vor allem ein