Aufsatz in einer Zeitschrift 
Am Rande der sozialistischen Großstadt : Reflexionen aus einem Betondschungel
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2003, Heft 2

Am Rande der sozialistischen Großstadt

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tenbauepoche" ist der Anteil des Wohnens in Plattenbauten in derSlowakei deutlich höher. Etwa ein Drittel unserer Haushalte lebt inWohnsiedlungen. Gleichzeitig sind aber unsere Wohnsiedlungen nichtals Sozialwohnungen entstanden und wurden bislang auch nicht zusolchen. In den Plattenbauten wohnen daher fast alle sozialen Schichten.Die Geschichte unserer Wohnsiedlungen ist eigentlich eine Ge-schichte der Entwicklung der Ansichten zu ihren Mängeln. Schon dieersten größeren Siedlungsanlagen in der zweiten Hälfte der fünfzigerJahre brachten eine Ernüchterung, keine schönen Visionen mehr vonder strahlenden, ganz in Grün eingetauchten Stadt. Erste Kritikpunktewaren die Mängel der Häuser und Wohnungen infolge der unbewäl-tigten und verpfuschten Technologie der ,, industrialisierten" Bauwei-se und auch die schlechte Ausstattung der neuen Wohnkomplexe mitSchulen, Geschäften, gastronomischen und kulturellen Einrichtun-gen, Sportstätten u.ä.

Die Misere der tschechoslowakischen Wohnsiedlungen wurdedurch die gesellschaftliche Überbewertung der Raumpläne von Ar-chitekten und Städtebauern, die der ganzen Gesellschaft Jahrzehntelang ihre Visionen über die Zukunft der bebauten Gebiete diktierten,hervorgerufen. Sie konnten sich auf die in den Magistraten der Städteund in den staatlichen Verwaltungsämtern sitzenden Büro- undTechnokraten stützen. Dank dem Monopol für die Produktion vonRaumplänen konnten die slowakischen Raumplaner Jahrzehnte langihre einseitigen Konzepte durchsetzen, in denen kein Platz für krea-tive Ansätze und freie Wahlmöglichkeit war. Das Abgehen von der soverstandenen Auffassung von modernen Wohnensembles ist somiteher eine bürgerbezogene, politische und ökonomische Angelegen-heit als ein fachliches architektonisches oder urbanistisches Problem.Die Wohnbauten in den postkommunistischen Ländern sind in Wahr-heit ,, Rohbauten", die auf ihre Fertigstellung warten.

Bratislava war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Stadt mit einerkaum veränderten historischen Struktur, mittelalterliche Parzellierungund Straßennetz waren nahezu unversehrt erhalten. Bis dahin wuchs dieStadt nicht durch radikales Ersetzen des Alten durch Neues, sonderndurch Adaptierung des Bestehenden und allmähliches( additives)Wachstum. In der Zeit nach dem Abriss der Stadtmauern( zweite Hälftedes 18. Jahrhunderts) erfolgte der Ausbau der Verbindungslinien zuden nahen Orten, die der Stadt einverleibt wurden, ohne daß diesejedoch funktionell bzw. architektonisch verändert wurde.