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Juraj Podoba
ÖZV LVII/ 106
Art Prophet der strahlenden Städte im Grünen mit hohen Häusern undbreiten Autostraßen. Für alle Avantgardearchitekten der Zwischen-kriegszeit waren die Wohnsiedlungen die Versachlichung abstrakterideologischer Prinzipien der Gleichheit( allen wird eine Standard-wohnung geboten), der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft( Men-schen werden nicht durch Mauern getrennt, sondern der offene Raumverbindet sie), der Wahrheit und Offenheit( die Häuser täuschennichts vor, sondern lassen ihre Funktion erkennen, die dekorativenElemente sind unterdrückt).
Doch die Verwirklichung dieser abstrakten Ideen brachte einegroße Enttäuschung. Die Gleichheit versachlichte sich in vielenWohnsiedlungen als Uniformität und Fadesse, die Gemeinschaftempfinden wir als Überbevölkerung, als Verlust von Privatsphäre undIntimität. Die Wahrheit der unifizierten Häuser ohne Dekor und dieOffenheit des Bebauungssystems degradierte häufig zu einem rüpel-haften Primitivismus der„, als ob" hochentwickelten industriellenBautechnologien und der rücksichtslosen Offenheit der Blicke aufdas, was in der traditionellen Stadt im Inneren der Blöcke verborgenblieb.
Die seit dem Ende der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts in ganzEuropa und andernorts errichteten Wohnsiedlungen wurden dankihrer Unterschiede von der Traditionsstadt urbanistisch und baulichzu einer speziellen Wohnform. Auch unsere Wohnsiedlungen unter-scheiden sich in ihrem architektonischen und urbanistischen Konzeptnicht wesentlich voneinander. Aber die Umstände ihrer Entstehungbewirkten, dass die Problematik unserer Wohnsiedlungen von dertypischen Wohnsiedlung in Westeuropa relativ unterschiedlich ist,und zwar vor allem hinsichtlich zweier Aspekte. Die ,, Wohnsied-lungsepoche“ begann bei uns gegenüber Westeuropa verspätet unddauerte wesentlich länger. Die Zeit der Errichtung solcher Siedlungensetzte dort schon bald nach dem Krieg ein, erreichte Anfang dersechziger Jahre ihren Höhepunkt, und die siebziger Jahre bedeutetenihre Beendigung, hervorgerufen durch die starke Kritik. Bei unsbegann man Wohnsiedlungen Ende der fünfziger Jahre zu bauen, diesiebziger Jahre waren der Höhepunkt des„ Plattenbaufiebers", unddas Ende des Beton- ,, Hausbaus“ wurde erst durch den Zerfall desSystems des komplexen Wohnungsbaus nach 1989 eingeleitet. Unse-re Wohnsiedlungen sind also noch relativ ,, jung". Noch immer lebendarin die ersten Bewohner. Als Folge der längeren Dauer der„, Plat-