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Literatur der Volkskunde
ÖZV LVII/ 106
zeigt hier dem Helden, dass sie auch unter Opfern ihm helfen will, dass sieimstande ist, seine Schwierigkeiten zu ,, überbrücken“. So wird sie
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ganz
im Konkreten- die ,, Leiter" seines Erfolgs. Der Held sieht andererseits, dasser nur mit ihrer Hilfe das gemeinsame Ziel erlangen kann, und dass diesesZiel von beiden Überwindung und vorübergehende Trennung verlangt"( 398). Das ist meines Erachtens eine überzeugende psychologische Interpre-tation, und auf derartige Deutungen trifft man im Buch immer wieder, aberes ist eine Zugangsweise, die vor allem Max Lüthi entwickelt hat, weswegenes angemessen gewesen wäre, zumindest im Kapitel über die Märchenfor-schung diesbezüglich auf Lüthis Werk und seine Interpretationstechnikaufmerksam zu machen( er wird zwar erwähnt[ S. 371], aber nur ganz knapp inHinblick auf die Formbestimmung).- Überhaupt verfährt Röhrich des Öfterenrecht großzügig mit Literaturangaben, denn diese fehlen mitunter ganz.
Und dennoch: Das Buch als Ganzes genommen ist ein überzeugender,gelungener Entwurf, wie bereits eingangs betont. Es eröffnet dem Märchen-freund neue Perspektiven, und es erfreut den Forscher, der an multiperspek-tivischen Zugängen interessiert ist. Darüber hinaus ist es allgemein ver-ständlich verfasst und spannend zu lesen, was in der Wissenschaft keines-wegs selbstverständlich ist.
Bernd Rieken
FLÓRIÁN, Mária: Magyar parasztviseletek(= Reihe: Jelenlevő Múlt).Budapest,[ Verlag] Planétás Kiadó, 2001, 343 Seiten, 203 s/ w- Abb.
Der Autorin und dem Verlag gebührt gleichermaßen Anerkennung dafür,dass dieses detaillierte, umfassende und reich illustrierte Buch über dieungarischen Bauerntrachten erscheinen konnte. Seine Herausgabe holt einseit nunmehr mindestens 50 Jahren bestehendes Versäumnis auf. Denn imBild Ungarns, aus Eigen- wie aus Fremdsicht, spielt die bäuerliche Kultureine wichtige Rolle- eine wichtigere als in Ländern mit schon früh ausge-bildetem Bürgertum. Innerhalb der materiellen Kultur des ungarischen Bau-erntums haben Textilien und Bekleidung quantitativ wie auch qualitativ eineherausragende Bedeutung. Man kann gleichsam von einer nationalen Beson-derheit sprechen, vor allem wenn man Vergleiche mit westlicheren Ländernzieht. Viele ungarische Autoren, unter ihnen auch Mária Flórián, habenschon früher kleinere oder größere Analysen und Zusammenfassungen überDetails der bäuerlichen Bekleidung geliefert. Auf Grundlage all dieserPublikationen war es endlich zur Jahrtausendwende möglich, ein Werk zuschaffen, das die Trachten im gesamten ungarischen Sprachraum behandelt.Zur Erarbeitung dieser Zusammenfassung war gerade Mária Flórián die