Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Seite
121
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LVII/ 106, Wien 2003, 121–128

Literatur der Volkskunde

BÖNISCH- BREDNICH, Brigitte: Auswandern: Destination Neusee-land. Eine ethnographische Migrationsstudie. Berlin, Mana- Verlag, 2002,494 Seiten, Abb.

Das Buch, eine volkskundliche Habilitationsschrift der Universität Göttin-gen, ist der Erzählforschung als Bewusstseinsforschung im Sinne AlbrechtLehmanns verpflichtet sowie jenen anglo- amerikanischen Kulturanthropo-logen, die sich mit globalen Migrationsprozessen befassen. Es beruht aufeiner einjährigen Feldforschung vor Ort, genauer auf in der Regel 90- minü-tigen Interviews und teilnehmender Beobachtung, was» zu einem intensivenVerstehen und Nacherleben der Situation der Immigrierten«< führte( 25). Dasmerkt man dem Buch an: Es wird einfühlsam und plastisch ein lebendigesBild jener Deutschen entworfen, die nach Neuseeland ausgewandert sind.Wir erfahren viel über die unterschiedlichen Motive der Emigration, überdie Probleme im Umgang mit einer fremden Kultur und über das allmählicheEingewöhnen dort. Darüber hinaus erfährt man einiges über die soziokultu-rellen Veränderungen innerhalb Neuseelands während der letzten Jahrzehnteund natürlich über die Neuseeländer selbst, über ihre Vorlieben, Abnei-gungen, Gewohnheiten usw. Und da Einzelschicksale immer auch auf einAllgemeines verweisen, wird einem drittens vor Augen geführt, wie diemögliche Realisierung der von vielen Menschen erträumten, aber nur vonwenigen gewagten Auswanderung in ein fremdes Land tatsächlich aus-schaut.

Das Buch gliedert sich in zwei Teile, nämlich 1. die Periodisierungdeutscher Auswanderergruppen im Zeitraum 1936 bis 1996 sowie 2. dasErzählen über die Auswanderung bzw. das innere Erleben derselben. Imersten Teil lassen sich, auch zeitlich voneinander abgegrenzt, zwei Gruppenvon Emigranten unterscheiden, nämlich die frühen Auswanderer, die vonäußeren Faktoren angetrieben sind, und die späteren, ab den 70er Jahren, diesich eher aus inneren Beweggründen dafür entscheiden, die BRD zu ver-lassen. Zunächst sind es politisch Verfolgte, die emigrieren, vorwiegendJuden; später sind es die desolaten Nachkriegsverhältnisse, und Ende der50er, Anfang der 60er Jahre Anwerbungsprogramme der neuseeländischenRegierung, die vorwiegend junge Leute zur Auswanderung bewegen. Indieser Zeit werden allerdings bereits innere Motive deutlich, etwa die