Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

Bereits früh in ihrer Forschungstätigkeit versuchte sie auch, die Geschich-te der ungarischen Volkskunde zu rekonstruieren. Ähnliche Versuche gab eszu dieser Zeit sowohl in der ungarischen als auch in der europäischenEthnologie noch keine.

Mit den Vorträgen der Konferenz des Ethnographischen Museums Buda-pest ,, Barock in der ungarischen Volkskunde wurde 1993 Klára Csillérys70. Geburtstag begangen. Sie schrieb damals: ,, Ich habe natürlich weiterhinPläne, da mir die vergangenen Jahre hauptsächlich die Lücken, meineunvollendeten Arbeiten und die unbeantworteten Fragen in Erinnerungrufen. Ich möchte also zunächst noch meine alten Schulden begleichen." Sieplante noch ein Buch über die Holzindustrie von Szuhahuta( Mátraalmás),deren mittelalterliche Merkmale bis vor kurzem bewahrt blieben und die sienoch in Funktion angetroffen hatte. Sie war sich jedoch auch ihrer Krankheitbewusst, bereitete sich auf die noch übriggebliebene Zeit vor und versuchtealles zu beenden, was sie noch als Aufgabe für sich sah.

Nicht zuletzt aufgrund ihrer hervorragenden Deutschkenntnisse unter-hielt Klára Csilléry während ihrer gesamten Berufslaufbahn und darüberhinaus auch rege Kontakte zu und in Österreich und hier vor allem zumÖsterreichischen Museum für Volkskunde in Wien und zu dessen ,, Fensterzum Osten", dem Schloß Kittsee. Noch im April 2002 besuchte sie dieSonderausstellung der ,, Möbel aus Kroatien" im dortigen EthnographischenMuseum und plante eine Rezension des Kataloges. Das EthnographischeMuseum ist Frau Kollegin Csilléry aber vor allem für die Vermittlung einerganzen Möbelstube aus Harta zu Dank verpflichtet. Der während der Direktionvon Tamás Hoffmann erfolgte Ankauf wurde unter der fachkundigen Begleitungder ungarischen Spezialistin durchgeführt, die sowohl die Aufstellung desMöbelensembles besorgte, als auch die begleitende Publikation( Die Bauern-möbel von Harta[= Kittseer Schriften zur Volkskunde Heft 1] Kittsee 1982).Eine Abhandlung in der Festschrift Klaus Beitl, über die ,, Schränke mit tra-pezförmigen Giebeln"( Wien 1999) war der letzte ihrer Wiener Beiträge.

Für eine ganze Generation in Wien ausgebildeter Volkskundler wurdeKlára Csilléry durch ihre kompetenten Beiträge bei den Tagungen der,, Ethnographia Pannonica in den 1970er Jahren zum Begriff. Sie verstandes überhaupt, die jüngere Generation für ihr Fach- und Spezialgebiet zubegeistern, wenn sie ein Möbelstück bis in die kleinsten Bestandteile buch-stäblich ,, zerlegte, um deren Herkunft und Bedeutung zu erklären. Auf-grund ihrer Ausbildung und speziellen künstlerischen Begabung war sieauch eine der wenigen Vertreterinnen des Faches, die imstande war, ihreForschungsgegenstände schon im Feld mit sicherer Hand zu skizzieren, eineFertigkeit, die noch andere Schichten und Qualitäten von Dingen zutage fördertals die Photographie es vermag, und die leider nur selten anzutreffen ist.