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Chronik der Volkskunde
ÖZV LVII/ 106
Klára Csilléry( 1923–2002)
Klára Csilléry wurde 1923 in Budapest geboren. Ihre Kindheit verbrachtesie in Dunapataj. Die Kindheitserlebnisse in diesem Dorf waren prägend undveranlaßten sie u.a. später zum Studium der Volkskunde. Zwischen 1942 und1947 besuchte sie die Hochschule für Bildende Künste( Fach Zeichnen) undparallel dazu beendete sie eine Ausbildung an der Staatlichen Frauen- Ge-werbeschule als Lehrerin für Handarbeit.
Ihre Forschungskarriere begann während eines Kurses, den die Abteilungdes Teleki- Institutes für Landschafts- und Volksforschung 1943 zur Vor-bereitung des volkskundlichen und geographischen Sammelns organisierte,dem dann eine tatsächliche Sammeltätigkeit in Transsylvanien folgte. Nachdieser Forschungsarbeit begann sie, unterstützt durch die Anweisungen ihresLehrers Béla Újváry( und seiner Frau Adrienne Kerékgyártó) auch selbstän-dig ethnographische Informationen zu sammeln( in Baranya 1946). Auf-grund dieser Vorarbeiten schrieb sie am Ende des 5. Jahrgangs 1947 ihreFacharbeit an der Fachhochschule für Bildende Künste unter dem Titel:,, Schränke aus Sumony und Cserdi“(„, Szökrönyök Sumonyból és Cserdiből").1947 bekam sie von László Vargha, dem damaligen Direktor des Ethno-graphischen Museums in Budapest, eine Einladung zur Betreuung derMöbelsammlung des Museums. Von ihm erhielt sie auch erste Instruktionenzu den kunstgeschichtlichen Bezügen der Möbel und weitere Anregungenzum Studium ihrer Strukturmerkmale. Zur Vervollständigung ihrer wissen-schaftlichen Ausbildung belegte Klára Csilléry zur gleichen Zeit die FächerVolkskunde und Kunstgeschichte an der Eötvös Lóránd Universität, die sie1950 erfolgreich abschloß.
Csilléry betonte während ihrer Untersuchungen stets die Bedeutung derhistorischen Aspekte. Dabei dachte sie in einem europäischen – und manch-mal sogar außereuropäischen- vergleichenden Kontext, innerhalb dessensie sich für alle gesellschaftlichen Schichten interessierte, nicht nur für dieBauern im traditionellen Sinne. Wichtig war ihr auch die Bedeutung derQuellenkritik. Bereits früh verband sie die Möbelforschung mit dem Studi-um der volkstümlichen Holzindustrie und Herstellungstechnik. Ihre erstenbedeutenden Ergebnisse waren an diese Forschungen geknüpft: Es ist ihrgelungen in Szuhahuta, die Herstellung des ácsolt láda( eines gezimmertenKastens), eines Möbelstückes in altertümlicher Struktur, wiederzuentdeckenund live zu dokumentieren.
Abgesehen von den Möbeln interessierte sich Klára Csilléry grundsätz-lich für die Wohnkultur und die Volkskultur im allgemeinen. In ihrenArtikeln verschmolzen diese drei Themen immer wieder. Für das bessereVerstehen der Erscheinungen ging sie in der geschichtlichen Rekonstruktion