Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
Einzelbild herunterladen
 

2003, Heft 1

Chronik der Volkskunde

115

führer des Oberösterreichischen Heimatwerkes, Dr. Georg Kellner, erinnertein seiner Gedenkadresse daran, dass Franz C. Lipp nach der Gründung desVerbandes der Europäischen Heimatwerke im Jahr 1972 zehn Jahre das Amtdes Präsidenten bekleidete. Im Heimatwerk konnte Lipp seine Vorliebe fürkünstlerische Kreativität und handwerkliche Kunstfertigkeit verwirklichen,nachdem er bereits 1946 gemeinsam mit Wolfgang v. Wersin den,.Werkbund" ins Leben gerufen hatte.

In Vertretung des Vereins für Volkskunde in Wien gedachte der Direktordes Österreichischen Museums für Volkskunde der akademischen Laufbahnund der engen Verbundenheit von Franz C. Lipp zu Wien. Wie Franz C. Lippselbst in seinen Erinnerungen schreibt( ÖZV 1993, 261–276), war es näm-lich das Österreichische Museum für Volkskunde in der Laudongasse, wo ererstmals mit dem Fach Volkskunde in Berührung kam. Es zog ihn jedochnach Graz zu Viktor Geramb, der ihn überaus faszinierte. Die Dissertationzum Thema ,, Grundformen des Kulturlebens" schrieb er allerdings bei demPhilosophen Ernst Mally. Bei allen seinen beruflichen und kulturellen Be-schäftigungen bildete stets die Wissenschaft die Basis seiner Tätigkeit.Dieses Streben führte dazu, dass er sich 1967 mit seinem Buch über die,, Oberösterreichischen Stuben am Institut für Volkskunde in Wien habili-tierte und hier nun selbst als akademischer Lehrer eine begeisterte Hörer-schaft um sich scharen konnte. Dieses Engagement fand 1973 mit derErnennung zum außerordentlichen und 1990 zum ordentlichen Universi-tätsprofessor seine entsprechende Anerkennung.

Seine kollegiale Mitarbeit im Redaktionsteam der Österreichischen Zeit-schrift für Volkskunde und als Ausschussmitglied ehrte der Verein für Volks-kunde 1975 mit der Verleihung der Michael Haberlandt Medaille, 1978 mit derHerausgabe einer Festschrift zum 65. Geburtstag und 1993 mit einer Jubilä-umsnummer der Zeitschrift zum 80. Geburtstag. Sie enthalten neben ausführli-chen Würdigungen auch die Bibliographie von Franz C. Lipp, wobei erstaunlichist, wie fruchtbar Franz Lipp zwischen diesen beiden Jubiläen war. In dieseZeit fallen seine großen Werke über Bemaltes Glas, die OberösterreichischenMöbel und über die Goldhaube und das Kopftuch. Doch wie die vomOberösterreichischen Landesmuseum zum 85. Geburtstag herausgegebeneFestschrift zeigt, war Franz Lipp bis zuletzt schriftstellerisch tätig.

So ist es wirklich ein gewaltiges Lebenswerk, das Franz C. Lipp hinter-lässt, ein Lebenswerk, das höchste Bewunderung abverlangt und das ihm inder Volkskunde( Europäische Ethnologie) einen Ehrenplatz einräumt.

Franz Grieshofer