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Chronik der Volkskunde
ÖZV LVII/ 106
Für die abschließende Diskussion zum Museumsgütesiegel war leidernicht mehr viel Zeit übrig. Die meisten Wortmeldungen lobten die Ein- undDurchführung, wobei klarerweise auch kleine Mängel( z.B. sprachlicheUnklarheiten im Bewerbungsformular, fehlende vorläufige Verleihung etc.)zur Sprache kamen, die in Zukunft behoben werden sollen.
Anschließend fand die Vollversammlung des Österreichischen Museums-bundes statt, bei der Wilfried Seipl nach zehnjähriger Tätigkeit als Präsidentauf eigenen Wunsch zurücktrat und Peter Assmann als sein Nachfolgergewählt wurde.
Veronika Plöckinger, Andreas Schmidt
Franz C. Lipp( 30.7.1913-30.5.2002)
Eine große Trauergemeinde begleitete am 6. Juni 2002 Franz C. Lipp,o.Univ.- Prof. Hofrat und Museumsdirektor i.R., auf seinem Weg von derSebastiankapelle zur letzten Ruhestätte am Friedhof in Bad Ischl in Ober-österreich. Der Kondukt lieferte noch einmal den Beweis für die hoheWertschätzung, die der Verstorbene in der Öffentlichkeit besaß. Die Teilneh-mer konnten es kaum glauben, dass das Leben jener Persönlichkeit, die zuLebzeiten zu einem Begriff, ja zu einer Institution, wie es der Altlandeshaupt-mann Dr. Josef Ratzenböck anlässlich der Überreichung der Festschrift zum 85.Geburtstag im Oberösterreichischen Landesmuseum ausdrückte, gewordenwar, nun sein irdisches Ende gefunden haben sollte. In den Trauerreden wurdeschlaglichtartig das großartige Lebenswerk noch einmal beleuchtet.
Beim stimmungsvollen Gedenkgottesdienst in der Ischler Stadtpfarrkir-che, der dem Begräbnis vorausgegangen war, zeichnete zunächst PfarrerHammerl Franz C. Lipp als aufgeschlossenen, weltoffenen, kritischen undstets suchenden Menschen. Sein Interesse galt dem Volk und seinen kultu-rellen Äußerungen, jenem ,, vulgus in populo“, dem er mit Ehrfurcht undLiebe begegnete. Diese Zuneigung bildete die Grundstimmung in all seinenBemühungen, die Eigenart regionaler Traditionen zu erfassen und zu deuten.Die akademische Ausbildung, sein philosophischer Intellekt schufen dabeijene nötige kritische Haltung und Distanz, die ihn vor jeder Anbiederungund vor Fehleinschätzungen bewahrten.
Bürgermeister Helmut Haas gedachte des großen Sohnes der Stadt BadIschl. Hier war Franz C. Lipp am 30. Juli 1913 zur Welt gekommen und hierempfing er bis zum Eintritt in das bischöfliche Gymnasium in Linz ersteprägende Eindrücke. Es war das die Zeit des Umbruchs von der kaiserlichenSommerresidenz zur republikanischen Sommerfrische mit all den Diskrepanzen