2003, Heft I
Chronik der Volkskunde
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die Kommission mit der Absicht einer Besichtigung der Einrichtungen desWeltkonzerns Nestlé von Basel nach Vevey gebracht. Besuche wurden demNestlé- Forschungszentrum bei Luzern und dem von Nestlé betriebenenNahrungsmuseum ,, Alimentarium" in Vevey abgestattet. In ersterem konntesich die Gruppe von den Marktstudien und den Produktentwicklungsmög-lichkeiten dieses dominanten Nahrungskonzerns überzeugen, in letzteremstanden interdisziplinäre Zugänge zum Thema Essen und interaktive Präsen-tationsformen eines erfolgreichen Museums zur Schau.
Die Geschäftssitzung der Kommission brachte eine Wiederwahl der ver-dienten Kommissionspräsidentin Patricia Lysaght( Dublin) und eine Ent-scheidung für die Ausrichtung der nächsten Tagung in Dubrovnik( Kroatien)zum Thema mediterraner Nahrungseinflüsse. Ein eingehend diskutierter,schließlich aber vertagter, Vorschlag der Universität Pécs( Ungarn) für eineTagung zum Thema präindustrieller Nahrungskultur zeigte das Bedürfnisnach verstärkter historischer Grundlagenforschung auch, oder gerade, imBereiche der ethnologischen Nahrungsforschung.
Oliver Haid
Aller Anfang. Geburt- Birth- Naissance
Wiener Gespräche zur Sozialgeschichte der MedizinAbschluß- Symposion zur Ausstellung ,, Aller Anfang“ imÖsterreichischen Museum für Volkskunde in Wien und zugleich2. Symposion ,, Born in Europe"
Wien, 2. bis 5. Oktober 2002
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sind bekanntlich nicht nur phy-siologisch definierte Lebensphasen. Die gesellschaftlichen Regeln, kulturel-len Konnotationen und zunehmend auch die wirtschaftlichen Interessen, die,, das Wunder Geburt"( Profil, Nr. 18, April 2002) begleiten, ihm voraus-gehen und nachfolgen, sind in jüngerer Zeit von auffallend vielen Seiten inden Blick genommen worden. Seit der ,, Baby- Boom aus der Retorte"( DerSpiegel, Nr. 4, Jänner 2002) möglich und ,, die Geburt als Lifestyle- Event"( Universum- Magazin, Nr. 4, April 2002) inszenierbar geworden sind, undzu Beginn des Jahres 2003 angeblich das erste menschliche Klon- Baby dasLicht der Welt erblickt haben soll, seither haben sich die gesellschaftlicheWahrnehmung und damit die öffentliche Aufmerksamkeit für das Themaverstärkt. Ausstellungen, Symposien, Filme und Publikationen reagieren aufdiesen Trend und wirken umgekehrt wiederum stimulierend auf ihn zurück.
Im vergangenen Jahr fanden drei einschlägige Ausstellungen zum ThemaGeburt statt, die unabhängig voneinander entstanden sind, jedoch keines-