Jahrgang 
106 (2003) / N.S. 57
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Chronik der Volkskunde

ÖZV LVII/ 106

Gender and Generation- Geschlecht und GenerationViertes Symposium der SIEF- Kommission für Volksfrömmigkeit3. bis 8. September 2002 in Edinburgh, Schottland

1989 wurde im Rahmen der Österreichischen Volkskundetagung in Grazzum Thema ,, Volksfrömmigkeit eine eigene SIEF- Kommission zu diesemForschungsbereich angeregt und bereits im folgenden Jahr auch eingerich-tet. Zur ersten Tagung der Kommission kam es dann 1993 in Stockholm aufEinladung von Nils- Arvid Bringéus. Einem dreijährigen Tagungsrhythmusfolgend, lud Maria Santa Vieira Montez im Jahre 1996 nach Chaves inPortugal ein, und das Treffen der Kommission 1999 fand auf Einladung vonGabor Barna in Szeged, Ungarn, statt.

Im Jahre 2002 war es nun wieder soweit, und die SIEF- Kommission riefzur Tagung nach Edinburgh, wohin Margaret Mackay und die School ofScottish Studies, Archives, Celtic and Scottish Studies der Universität vonEdinburgh eingeladen hatten. Diesem Ruf waren zahlreiche TeilnehmerIn-nen gefolgt. Insgesamt waren 13 verschiedene Staaten vertreten, was dieInternationalität auf diesem Forschungsgebiet besonders deutlich macht:Deutschland, Finnland, Großbritannien, Irland, Litauen, Norwegen, Öster-reich, Portugal, Russland, Schweden, die Slowakei, Ungarn und die USA.

An vier Tagen sollten 22 Referate präsentiert werden und darüber hinausstanden noch zwei Exkursionen und eine Fülle von offiziellen Einladungenauf dem Programm. Daß alle diese Aufgaben auch tatsächlich bewältigtwerden konnten, war nur durch die perfekte, reibungslose und harmonischeOrganisation möglich, für die Margaret Mackay und ihr Team von freiwil-ligen HelferInnen verantwortlich zeichneten.

Das Thema des Arbeitssymposiums ermöglichte Beiträge zu den unter-schiedlichsten Bereichen des Faches, wobei hier nur ein kleiner Einblick aufdie Fülle der Vorträge geboten werden kann. Über die Bedeutungszuschrei-bungen in der Namensgebung für Neugeborene in der slawonischen Alltags-kultur berichtete Irina Sedakova und brachte dabei zahlreiche Zitate aus ihreraktuellen Empirie ein. Oft gibt es Streitigkeiten zwischen Mutter und Vaterdes Kindes, welche Ahnen als Namenspatrone ausgesucht werden, und beiGeburten an religiösen Feiertagen bestimmt ohnehin der zuständige Heiligeden Namen des Kindes. Für die Gesundheit, den beruflichen Erfolg undprivates Glück wird häufig die gelungene bzw. fehlerhafte Namenswahlverantwortlich gemacht. Nach orthodoxer Tradition überträgt sich die ma-gische Kraft des Namens auf den Namensträger selbst und begleitet ihndurch sein ganzes Leben. Der Glaube an diese Kräfte hat sich bis in dieGegenwart erhalten und moderne Varianten hervorgebracht, wodurch die