2003, Heft 1
Chronik der Volkskunde
85
85
bindung dieser beiden Feststellungen mündet in der Aufforderung, über dieFrage hinaus, was in die gegenwärtigen ethnographischen Museen gerettetwerden soll, zu klären, wie die Beziehung zwischen Menschen und ihrermateriellen Umgebung zu überdenken und zu ändern wäre.
Gabor Wilhelm schloß sich dieser Präsentation mit einem Vorschlag zueiner institutionellen Kooperation an. Am zweiten Tag dieser Konferenzbefasste sich schließlich eine Arbeitgruppe mit dieser Thematik.
Von einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Privatsammlern undMuseum berichtete Roman Chmelik aus Lemberg. In den 1960er und 1970erJahren begannen in der Westukraine einzelne Privatpersonen, Sammlungenvon Ethnographica anzulegen. Chmelik erklärte diese Tendenz mit einerProtesthaltung gegenüber der Zerstörung von christlichen sowie nationalenSymbolen durch den Kommunismus. In den frühen 1990er Jahren ent-wickelte sich schließlich eine intensive Zusammenarbeit zwischen diesenSammlern und dem Museum in Lemberg, die in der Produktion einigerAusstellungsprojekte in Übersee mündete. Das Huzulen- Museum in Kolo-mija fördert sehr bewußt- so geht es aus Jaroslava Tkatschuk's Berichthervor- auf der Grundlage von Arbeitszirkeln und Folkloreveranstaltungendie Produktion regionaler Identität. Sie kann auf den Bau eines eigenenOstereiermuseums verweisen, das seit kurzer Zeit, selbst als Ei konstruiert,als Ausstellungsraum und Depot mehreren tausend Ostereiern Platz bietet.
Der zweite Tag der Veranstaltung sollte konkreter Projektarbeit gewidmetsein. Die Organisatoren entschieden sich für die ,, Open- space technology", umden Mitgliedern der Gruppe mit ihren sehr unterschiedlichen fachlichen Hin-tergründen möglichst viel Entwicklungsraum zu geben. Außerdem hilft dieseForm der Kleingruppenarbeit auch sprachliche Barrieren zu überbrücken. Nacheiniger Diskussion im Vorfeld des Treffens war der thematische Fokus ,, Wiekönnen wir als Ethnographische Museen kooperieren?“ sehr weit geöffnet wor-den. Der Vorteil einer solchen überaus breiten Themenstellung liegt in der Vermei-dung vorzeitiger inhaltlicher Ausschließungen. Durch die mehrstufig strukturierteGruppenarbeit filtern sich ohnedies tragfähige Inhalte heraus. Die Teilnehmererhielten vorab sowohl Themenstellung als auch Vorgangsweise dieses Konfe-renzdesigns. Den Tag selbst leitete ein Moderator. Zu Beginn des Arbeitstageswurden den Beteiligten einige Parameter, gewissermaßen die Spielregeln, die vonden Organisatoren gemeinsam mit dem Moderator vorab festgelegt wurden,präsentiert. Die thematischen Gruppen konstituierten sich selbst; und nach einerzweistufigen Filterung waren am Ende fünf konkrete Projekte entstanden.
Besprochen sowie mit einem Zeitplan und Verantwortlichkeiten ausge-stattet wurden sowohl gemeinsame Ausstellungsprojekte als auch For-schungsprojekte. Franz Grieshofer fand bei den Teilnehmern großes Inter-esse mit einer Ausstellungsidee, die sich„, Invention of Folk Art under the