Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde106 (2003) / N.S. 57Haid, Gerlinde: „Frau im Spiegel“. Lieder um Schwangerschaft und Geburt

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
„Frau im Spiegel“. Lieder um Schwangerschaft und Geburt
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2003, Heft 1

A wunderschöner Åst!

Åst am Bam, Bam in der Au,

steht a Birnbam, trågt Lau.

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Wås is auf den Åst? A wunderschöns Astl.Wås is auf den Astl? A wunderschöns Nest.Wås is in den Nest? A wunderschöns Oarl.Wås is in den Oarl? A wunderschöner Vogl.Wås is auf den Vogl? A wunderschöne Federn.Wås is in der Federn? A wunderschöner Glånz.Wås is in den Glånz? A wunderschöner Spiagl.Wås is in den Spiagl? A wunderschöne Frau.Wås is in der Frau? A wunderschöns Kind.

[ Schluß]: Kind in der Frau, Frau in Spiagl, Spiagl im Glånz, Glånz in derFedern, Feder am Vogl, Vogl in Oarl, Oarl im Nest, Nest am Astl, Astl amÅst, Åst am Bam, Bam in der Au, steht a Birnbam, trågt Lau.

Da es um Lieder zu Schwangerschaft und Geburt geht, ist es uns notwendigerschienen, uns auch im Umfeld des Muttertages umzusehen. Muttertag istein neuerer Brauch, der zu Anfang des 20. Jahrhunderts in England entstan-den ist, von dort aus Amerika erreicht hat und nach dem Ersten Weltkriegnach Skandinavien und Deutschland gekommen ist. In Österreich wurde er1924 durch die Mutter des Bundespräsidenten Hainisch, Marianne Hainisch,Begründerin der österreichischen Frauenbewegung, eingeführt. LeopoldSchmidt hat den Muttertag zu den, Bräuchen des schlechten Gewissens'gerechnet. Wir haben uns Muttertagslieder angeschaut, die in österreichi-schen Liederblättern nach dem 2. Weltkrieg publiziert wurden. Den Textennach hätten sie alle auch vor dem 2. Weltkrieg publiziert werden können.Von Schwangerschaft und Geburt ist eigentlich nicht die Rede, obwohl dieMütter ganze Kinderchöre zur Welt zu bringen scheinen. Ansonsten ver-richten sie die Hausarbeit, außer natürlich am Muttertag und sagen nichts,das ist jedenfalls die Vision der Textautoren.

Muttererbe.( Worte von Ludwig Furckh, Weise und Satz von FriedrichNeumann)

In: Österreichisches Liederblatt 1967/68.

1. Dunkle Lose, helle Loseschüttle in der Schale um.Hagdorn oder rote Rose,Mutterschoß gebar dich stumm.

2. Wunderbares Geisterweben:Aug und Hand und Herz und Sinn.