Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LVII/ 106, Wien 2003, 71–82
Mitteilungen
,, Frau im Spiegel“. Lieder um Schwangerschaft und Geburt
Gerlinde Haid
Im Spiegel der Lieder sind die Frauen nicht immerganz scharf zu sehen,
dafür ist aber das Bild hinter dem Bild zu erkennen,wenn man gut hinhört.
Im Rahmen der Ausstellung ,, Aller Anfang- Geburt- Birth- Naissance"waren einige Damen aus dem Umkreis des Instituts für Volksmusikfor-schung und Ethnomusikologie'( Universität für Musik und darstellendeKunst Wien) vom Museum für Volkskunde eingeladen worden, in einerVeranstaltung das Thema volksmusikalisch zu beleuchten. Die Ausführen-den waren Dr. Gerlinde Haid( Kommentare, Gesang, Geige), Mag. BarbaraHaid( Harfe) und Mag. Evelyn Fink( Gesang, Geige, Baßtuba, Percussion).Im folgenden sollen kurz die Inhalte reflektiert werden, die dabei angespro-chen wurden.
Weltweit wurden und werden Schwangerschaft und Geburt von Riten undMythen begleitet, in deren Mittelpunkt selbstverständlich die Frau steht. Derumfangreiche Katalog, der die Ausstellung begleitet hat, enthält vielfältig-stes ethnologisches Material zu diesem Thema( vgl. Rüb/ Schindler 2002).In der westlichen Zivilisation wurde einerseits die Frau, soweit es möglichwar, aus diesem Mittelpunkt gedrängt, andererseits wurden die Riten undMythen ins Marginale verwiesen, als Aberglauben, Kinderglauben undThema für Volkskundler.
Das Thema ist für die Volksmusikforschung spröde, denn eigentlich gibtes auf den ersten Blick in unserem Kulturkreis keine Lieder mehr zuSchwangerschaft und Geburt. Auf den zweiten Blick gibt es sie dann doch.Manche Lieder, alte wie neue, spiegeln sowohl den gesellschaftlichen Um-gang mit Schwangerschaft, Geburt, Mutterschaft und Sexualität als auch dasunmittelbare Empfinden der Betroffenen.
Unter den Kinderliedern findet man sehr wichtige Aussagen über Vorstel-lungen rund um die Geburt, denn in den Kinderliedern besteht vieles ausdem sogenannten Aberglauben fort, den die Aufklärung den, vernünftigen'