Aufsatz in einer Zeitschrift 
30 Jahre Tür an Tür mit Leopold Schmidt : Erinnerungen aus Studienzeit und Berufsleben
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2003, Heft 1

30 Jahre Tür an Tür mit Leopold Schmidt

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mich an Vorlesungen, nur ein paar waren wir in den Bänken, und seinVortrag begeisterte uns, wenn er von einem unscheinbaren Ausgangs-punkt aus die großen Verbindungen herstellte.( Dr. Hubert Kriss,Berchtesgaden- Koppenleiten, Brief vom 27.2.2002)

Um diese großen Verbindungen ging es auch, als ich in meinemletzten( 10.) Wiener Semester im Frühsommer 1956 an einem in derVorlesung ,, Geschichte des europäischen Maskenwesens von Leo-pold Schmidt gewährten Termin meine aus Frankreich mitgebrachtevergleichend europäische Untersuchung über die ,, Umgangsriesen"als fertige Doktorarbeit vortragen konnte. Ich hatte meine Disserta-tion nach den von Marcel Maget in seinem damals hochaktuellenHandbuch ,, Ethnographie métropolitaine. Guide d'étude directe descomportments culturels( Paris 1953) aufgestellten Regeln erarbeitet.Darüber hinaus hatte mir Georges Henri Rivière als Betreuer meinerfranzösischen Studien die nachmals berühmte Brauchmonographieüber die provençalische Maskengestalt ,, La Tarasque von LouisDumont als Vorbild empfohlen. Der akademische Lehrer und Dok-torvater in Wien wollte jedoch über meine volkskundlich- monogra-phische Analyse der rezent und historisch erfaßten ,, Umgangsriesen"hinaus die ,, großen Verbindungen dieser Brauchgestalten nachgetra-gen haben. So steuerte er in der Diskussion in einem ausgreifendenExposé sogleich auch den Entwurf für eine hypothetisch- mythologi-sche Deutung im Sinne von archaischen Weltschöpferriesen bei.Folglich machte ich mich in meinem Kämmerlein im JosefstädterMinoritenkloster daran, zusätzlich ein abschließend deutendes Kapi-tel zu schreiben, das freilich von der späteren Fachkritik lebhaft inFrage gestellt worden ist.

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Studienzeit! Da gehörten jedenfalls die volkskundlichen Exkursionenhinzu! Sie waren sozusagen der, verlängerte Hörsaal" des Unter-richts von Leopold Schmidt. ,, Die Erarbeitung einer volkskundlichenExkursion" als Übung war nicht nur Bestandteil des akademischenLehrangebots, sondern führte neben der Einladung wohl auch ältererHörer und Absolventen späterhin auch zur Öffnung für einen größe-ren Kreis interessierter Vereinsmitglieder, Amateure und Kollegenbenachbarter Fächer. Das stupende Faktenwissen und die Darlegungübergreifender kultur- und geistesgeschichtlicher Zusammenhänge,kurz die deutende, Lektüre der in der Landschaft vorgefundenenKulturzeugnisse durch Leopold Schmidt bedeuteten jedesmal eine