Aufsatz in einer Zeitschrift 
30 Jahre Tür an Tür mit Leopold Schmidt : Erinnerungen aus Studienzeit und Berufsleben
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2003, Heft 1

30 Jahre Tür an Tür mit Leopold Schmidt

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Gesprächen aufgewachsen. Bekannte Fachkollegen des Vaters ausdem Umkreis der Universität und der seinerzeitigen Berliner Arbeits-stelle des ,, Atlas der Deutschen Volkskunde sind als Freunde derEltern im gastfreundlichen Reihenhaus im Zehlendorfer Grunewaldaus- und eingegangen: neben manchen anderen Reinhold Peesch,Wilhelm Hansen, Reinhold Knopf und- aus der Schweiz- RichardWeiß während seines Berliner Aufenthaltes.

Für mich als Berliner Großstadtkind war es selbstverständlich, vonmeiner ,, zweiten Heimat Vorarlberg aus Wien als Studierstadt zuwählen; ungeachtet der zu Anfang der 50er Jahre dort noch herrschen-den Nachkriegstristesse und der Reisebeschwernisse über die damalsbestehende amerikanisch- russische Demarkationslinie an der Enns.So verließ ich Anfang Oktober 1950, zu Beginn des Wintersemesters,unser tusculum Montafonense, den in den Kriegsjahren nach dem Toddes Schrunser Großvaters neuen Familiensitz, um mich in damalselfstündiger Eisenbahnfahrt- auf Holzbänken- dem neuen Lebens-horizont zu nähern.

Ein älterer Schulfreund aus Bludenz, der ein Jahr zuvor zumStudium nach Wien aufgebrochen war, hatte mir das Quartier bereitet.Im 8. Wiener Gemeindebezirk, auf der Alserstraße Nr. 17, öffnete sichfür mich die Pforte des Minoriten- Klosters. Hier im Kloster ,, Zu denTrinitarier- Mönchen, für welche das Gotteshaus zur AllerheiligstenDreifaltigkeit und das Kloster in der Vorstadt in der Zeit von 1688 bis1691 erbaut worden war, konnten in den 50er Jahren preiswerteZimmerum damals S 35,- monatlich!- bezogen werden. Die bisdahin dort kriegsbedingt einquartierten Krankenschwestern des ge-genüberliegenden Allgemeinen Krankenhauses übersiedelten, einenach der anderen, in private Wohnungen.

Diese neue Heimstatt befand sich quasi ,, Tür an Tür zum Garten-palais Schönborn, zweimal um die Ecke, in der Laudongasse, welchesalsbald zum zweiten Fixpunkt in meiner Wiener Stadttopographiewerden sollte. Von Anfang an hatte ich bei meiner Inskription nebenVorlesungen aus Romanistik und Germanistik sowie Kunstgeschichteeben auch das Fach Volkskunde inskribiert. Auch wenn ich zunächstaus einem gewissen ,, methodischen Zweifel" heraus das besondereGewicht auf die Germanistik gelegt hatte, wurde ich doch bald alleinvon der Volkskunde in den Bann geschlagen. Und so ist LeopoldSchmidt sehr bald in meinen unmittelbaren Interessenshorizont ein-getreten.