42
Herbert Zeman
ÖZV LVII/ 106
erläßlich. So lieferte dann Leopold Schmidt für die historische Ver-messung des Terrains einer ,, österreichischen Literatur", die in fünfTeilen unter dem Titel ,, Die österreichische Literatur- Ihr Profil vonden Anfängen im Mittelalter bis zur Gegenwart“( Graz 1979–1989)erschien, nicht weniger als fünf Beiträge:
Vom ,, Bauernlied" zum ,, Volkslied“ – Aus dem Zeitraum von 1779bis 1819
-
Lieder für den Landmann – Ein Kapitel Aufklärung und Volkslied( beide 1979)
-
Johannes Nordmann und seine Sagenaufzeichnungen – Ergebnisseder Wanderungen eines österreichischen Journalisten der liberalenZeit
Almer, Gstanzeln, Schnaderhüpfel – Aus der großen Zeit der Vier-zeilersammlung in Österreich( beide 1982)
Zwischen Zingerle und Hofmannsthal. Von der Märchensammlungzur Märchendichtung in Österreich( 1989)
Die Einzelstudien waren in den literaturgeschichtlichen Bänden gutplaziert und fanden die ihnen zukommende Beachtung. Bemerkens-wert war auch Schmidts Beitrag zu dem von mir 1976 herausgegebe-nen Sammelband ,, Joseph Haydn und die Literatur seiner Zeit“( Jb.für öst. Kulturgesch.): Joseph Haydn, Volksgesang und Volkslied. Ammeisten Resonanz aber versprachen wir uns von dem erwähntenProjekt einer ,, Literarischen Volkskunde". Ich hatte durch die Be-gründung des Ludwig Boltzmann- Instituts für Österreichische Lite-raturforschung etwas Geld zur Verfügung, und bald ergab sich einArbeitskreis, zu dem noch Leopold Kretzenbacher, Oskar Moser, KarlHaiding und Walter Deutsch zählten, später stieß noch Dietz- RüdigerMoser zu unserer kleinen Gemeinschaft. Das Ziel war, die Erträgnisseder volkskundlichen Forschungen auf dem Gebiet der literarischenGattungen einzubringen und literaturgeschichtlich für den österrei-chischen Raum aufzubereiten.
So sehr die anfängliche Begeisterung während der Sitzungen in derFuhrmannsgasse( damals die Unterkunft des Österreichischen Volks-liedwerks) Hoffnungen erweckte, so sehr bewahrheiteten sich Leo-pold Kretzenbachers Zweifel, ob denn die Texte der Volkslieder und-erzählungen, der Märchen, Legenden, Volksschauspiele und andererliterarischer Arten literaturhistorisch gut erfaßbar seien. Wie's gehenkönnte, zeigte zunächst nur Leopold Schmidt, indem er mir- ganz