2003, Heft 1
Erinnerungen an Leopold Schmidt
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lungen und des Volksschauspiels was immer man unter diesenBegriffen verstand stammten. Also begründete ich die Lied- undLibrettoforschung für den einen, und einen Arbeitskreis ,, LiterarischeVolkskunde“ für den anderen Bereich. Die ,, Literarische Volkskunde"fand in Leopold Schmidt einen tätigen Helfer.
Wir schreiben nun das Jahr 1981 und haben damit zehn Jahrevielfacher Begegnungen und regen Gedankenaustauschs übersprun-gen: Zwar war nach den ,, Historischen Volksliedern" durch den imAnschluß an meine Habilitation( 1972) erfolgten Abgang auf deut-sche Lehrstühle( Erlangen, Bonn/ 1973-75) eine kleine Pause ,, ge-meinsamen“ Publizierens eingetreten, aber der persönliche Kontaktblieb erhalten. Nahezu alle Besuche in Wien galten auch dem Direk-tionszimmer in der Laudongasse.
Voll freudigem Stolz berichtete Leopold Schmidt in dieser Zeit vonseiner Ernennung zum Hofrat, und man hatte das Gefühl, daß ihmnun, unter dem Eindruck dieser Rangerhöhung, die er als öffentlicheAnerkennung seiner Arbeiten empfand, neue Energien zuwuchsen.Wissenschaftliche Begegnungen konnten zu menschlich tief berüh-renden werden. Gegen Ende des Jahres 1975 hielt er auf meineVeranlassung im Wiener Goethe- Verein einen Vortrag: ,, ÜberlieferteVolkskultur in Goethes Lebenswelt"( gedruckt im Jahrbuch des Wie-ner Goethe- Vereins 1976). Trotz der unprätentiösen mit- wie stets-umflorter Stimme gesprochenen Vortragsweise war es schwer, dieRührung zu verbergen, die der Redner durch die Charakteristik dertiefer liegenden Schichten von Goethes Persönlichkeit hervorrief.
Der Goethe- Vortrag war für Schmidt Anlaß, Autobiographien zustudieren und das bisher auf diesem Gebiet Gesammelte zu ergänzen.Schmidt war ein großer Sammler. Und gern folgte man seinen Spuren,gleichgültig, ob sie ins oberösterreichische Klaus zu Bauernmöbelnoder in die Galerie Neumann am Wiener Kohlmarkt zu Bildernführten.
Die Rückkehr seines jüngeren Kollegen auf den Lehrstuhl fürneuere deutsche und österreichische Literatur in Wien( 1975 bzw.1976) begrüßte Leopold Schmidt mit lebhafter Freude. Er sah darindie Erneuerung jener guten wissenschaftsgeschichtlichen Situation,als August Sauer in Prag von der Literaturwissenschaft her mit AdolfHauffen Brücken zur Volkskunde schlug. In solchem Sinn erschienauch mir die Reorganisation der österreichischen Literaturgeschichts-schreibung nicht zuletzt unter Berücksichtigung der Volkskunde un-