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Herbert Zeman
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ÖZV LVII/ 106
Höfler, weltanschaulich und seiner ganzen Persönlichkeit nach eineArt Gegenpol zu Schmidt und enger Freund von Richard Wolfram,dem damaligen Ordinarius für Volkskunde an der Universität Wien.Zwischen Wolfram und Schmidt bestand eine alte Rivalität. Schließ-lich erreichte der eine, was dem anderen versagt blieb das WienerOrdinariat. Schmidt mußte es besonders verbittern, daß die politi-schen Konstellationen nach außen hin für ihn ungleich günstigergestanden hatten, als für seinen Konkurrenten. Aber: Die Fakultätentschied anders, und dort sprach Otto Höfler ein gewichtiges Wortmit. Letztlich also gaben diese alten Divergenzen, die ihren geistigenUrsprung in der Studienzeit hatten, als Höfler, Wolfram und Schmidtmit jeweils verschiedenen Eindrücken die Lehrveranstaltungen Ru-dolf Muchs besuchten, den Ausschlag, daß Schmidt die heiß ersehnteLehrkanzel für Volkskunde an der Wiener Universität nicht erlangte.Immerhin verbuchte er den Erfolg für sich, vor Wolfram in dieÖsterreichische Akademie der Wissenschaften aufgenommen wordenzu sein.'
Zu meiner Studentenzeit vernahm man spätestens während dervolkskundlichen Pflichtvorlesungen für Germanisten von solchenAuseinandersetzungen, und mancher schlug sich zu dieser oder zujener ,, Partei" ohne sachlich urteilen zu können oder die betroffenenPersönlichkeiten genügend zu kennen. All das aber war und blieb inder Wissenschaftsgeschichte kein Einzelfall.
Solche Gedankengänge mögen mir damals im Direktionszimmerdes Volkskundemuseums durch den Kopf gegangen sein, wurden aberrasch vertrieben durch das steigende Interesse am Gespräch mitLeopold Schmidt.
Wohlgenährt, mit freundlicher Miene, lebhaften Augen hinter rah-menlosen Brillen, stets bereit zu einer spöttelnden oder ernsthaftenZwischenbemerkung lenkte er die Unterhaltung nach dem Grundmeines Besuchs: Er finde, daß ein Band ,, Historischer Volkslieder ausÖsterreich vom 15. bis zum 19. Jahrhundert“ nützlich für die For-schung sei und gute Resonanz beim Lesepublikum erhoffen dürfte;im übrigen freue er sich, daß endlich einmal ein Literaturwissen-schaftler auch Interesse an volkstümlicher Dichtung zeige. Er erhobsich, ging bedächtigen Schritts zum geräumigen Zimmerschrank,
1 Zu dem ganzen Problemkreis vgl. man Leopold Schmidts Autobiographie Cur-riculum vitae- Mein Leben mit der Volkskunde. Wien 1982, übrigens ein Rarissi-mum für Büchersammler.