2003, Heft 1 Leopold Schmidt und das deutschsprachige Mitteleuropa
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zu beiden pflegten, in dem uns Mathilde Hain auf Exkursionensowohl in die Steiermark mit Leopold Kretzenbacher zusammen zuGerambs entwicklungsgeschichtlichen Trachtenvitrinen in Grazführte( 1953) und ein späteres Mal nach Wien ins hiesige Museumund mit Schmidt zusammen ins Burgenland( 1960). Wer trug nunwirklich das Steirergewand? Wir haben darauf zwar keine Wettenabgeschlossen, doch sehr genau gewußt, worum es bei der Selbstdar-stellung von akademischer Disziplin und Fachvertretern in Österreichging. Schmidt war für uns in dieser Beziehung ein„ Zivilist“. VonGeramb kannten wir seinen Ausspruch auf dem Deutschen Volkskun-detag in Passau 1952, wo er sich vor dem Fachpublikum entschuldi-gen zu müssen meinte, weil er direkt von einer Vortragsreise nördlichdes Mains angereist kam und daher, wörtlich: ,, wie a norddeitscherFrisör“ angezogen war. Und doch hat Leopold Schmidt nach seinem60. Geburtstag 1972 Dankeskarten mit seinem Foto im Trachtenjan-ker verschickt. Was war da auf einmal oder allmählich geschehen?Ich darf aus meinem Nachruf von 1981( in den BBV) die entsprechen-de Passage zum Abschluß meines Vortrags wiederholen, weil sie meinBild seiner Persönlichkeit schildert und das unseres Blickes vonaußen auf jenen Mann, der im ,, Reich", wie man bisweilen noch zusagen pflegte, die österreichische Volkskunde schlechthin repräsen-tierte.
,, Leopold Schmidt[ also] im Steirergewand? Unvorstellbar da-mals, als noch der junge Bausinger im Lodenmantel auf Österreich-Exkursion ging. Und nun[ 20 Jahre später] das Brustbild im Trach-tenjanker. Leopold Schmidt hat ihn meiner Ansicht nach nur biswei-len auf Ausflügen, sozusagen in der Sommerfrische getragen, aberdas Geschenkfoto wollte doch ein Zeichen sein, war wohlüberlegterVerweis. Worauf? Auf den Wandel von Gesinnungen? Gewiß nicht!Eher auf geduldigen Umgang mit der Heimatwelt der vielen anderenim Lande. Genauer, so meine ich, Verweis auf die Erkenntnis, daßVolksleben heute samt aller Folklorisierungen Teil nicht bloß unseresForschungsfeldes ist, sondern auch eine Identifikationshilfe für Staa-tengebilde wie das[ 1981 gesprochen] neutrale Österreich zwischenden[ damals] gegenwärtigen Machtblöcken der gespaltenen Welt unddies ganz ohne falsche Romantik und besserwisserische Heilsbe-glückung welcher Couleur auch immer.
Diese Interpretation gewinne ich aus folgendem Erlebnis: PurerZufall wollte es, daß ich im Barockpalais des Wiener Kulturminis-