2003, Heft 1
Leopold Schmidt und das deutschsprachige Mitteleuropa
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zur Verfügung gestellt, Initiator aber war Karl Meisen aus Bonngewesen, ein tatsächlich zur NS- Zeit wegen seiner volksreligiösenStudien unterdrückter nunmehriger Ordinarius der Deutschen Philo-logie und Volkskunde. Den konkreten Anlaß bildete das Erscheinenvon Leopold Schmidts ansehnlichem Werk ,, Gestaltheiligkeit imbäuerlichen Arbeitsmythos. Studien zu den Ernteschnittgeräten undihre Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch“, Wien1952. Die eigens dafür einberufene Frankfurter Versammlung derwestdeutschen Volkskunde- Lehrenden sprach sich erregt ,, wider ei-nen neuen Mythologismus“ aus, und die modernen Empiriker unterihnen behaupteten sogar, der Wiener Privatdozent habe in seinemLeben noch keinen wirklichen Bauern befragt und werde auch nie aufdem Lande als teilnehmender Beobachter zu sehen sein.
Es waren dies zwanzig Personen, darunter die beiden Schwiete-ring- Schülerinnen mit Felderfahrungen der FunktionalistenschuleMathilde Hain, apl. Prof. für Volkskunde an der Universität Frankfurtam Main und Martha Bringemeier vom Landschaftsverband in Mün-ster/ Westfalen. Auch unter den Männern gab es Universitätsprofes-soren und Lehrbeauftragte, voran die drei Germanistik- OrdinarienOtto Basler aus München, Karl Meisen aus Bonn, Kurt Wagner ausMainz, dazu der Emeritus Walter Anderson aus Kiel und der apl. Prof.Hugo Moser aus Tübingen/ Stuttgart sowie der Ordinarius für deut-sche Volks- und Altertumskunde, von Hause aus Numismatiker Wal-ter Hävernick aus Hamburg, an ,, reinen“ Volkskundlern der apl. Prof.Kurt Ranke aus Kiel, der apl. Prof. Johannes Künzig aus Freiburg,die Honorarprofessoren Helmut Dölker( zugleich Vorsitzender desVerbandes der Vereine für Volkskunde) aus Stuttgart und Hugo Hep-ding, Bibliotheksdirektor aus Gießen, der PD Matthias Zender ausBonn, der PH- Dozent Schmidt- Ebhausen aus Württemberg, der Stu-dienprof. Eduard Rühl aus Erlangen, der a.o. Prof. der TheologieHeinrich Schauerte aus Paderborn, der Musikwissenschaftler apl.Prof. Walter Wiora vom Volksliedarchiv in Freiburg, der PD derSoziologie Wilhelm Brepohl aus Dortmund und der Studienrat Hansvon der Au aus Darmstadt sowie der Privatgelehrte und promovierteVolkskundler Dieter Narr aus Eschenau in Württemberg.
Aus Wien schrieb Richard Wolfram an den VerbandsvorsitzendenHelmut Dölker am 11.10.1953 u.a.:,,Ein Teil der Beratungen inFrankfurt ist Leopold Schmidt gewidmet. Das ist etwas, das unsÖsterreicher auch angeht und ich bin gespannt, welche Stellung zu