2003, Heft 1 Leopold Schmidt und das deutschsprachige Mitteleuropa
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unser Fach engagiert worden. Er bildete nach dem Westen hin dasAushängeschild für den Aufbau eines Volkskunde- Instituts der,, Deutschen Akademie der Wissenschaften“( später: der DDR")und darin speziell des Nachfolgeorgans seines Berliner Stubenrauch-Jahrbuchs als ,, Deutsches Jahrbuch für Volkskunde“( 1955-69). Dieebenfalls begründete Akademie- Reihe der volkskundlichen Kommis-sion Ost- Berlins erschien im zweiten Bande 1953 als Festschrift fürden sterbenskranken Adolf Spamer. Dort beteiligte sich nun LeopoldSchmidt für seinen einstigen Förderer, der die Wiener Druckfassungseiner 1935 ausgelobten Riehl- Preis- Schrift von 1940 mitten imKrieg zur Habilitation durch die Fakultät in Berlin 1942 hatte anneh-men lassen, aber das Verfahren aus eigenen Krankheitsgründen undwegen des unabkömmlichen Fronteinsatzes des parteilosen Kandida-ten nicht zu Ende bringen konnte. Es scheint übrigens die einzigeRiehl- Medaille für eine Preisschrift gewesen zu sein. Schmidt alsobeteiligte sich nun mit einem Aufsatz über„ Die volkskundlichenGrundlagen der Gebärdensprache“, worüber damals in Westdeutsch-land der vorhin genannte Lenz Kriss- Rettenbeck ein DFG- Projektbetrieb, das von jenem schon 1947 verfaßten Vortrag in der ,, WienerSprachgesellschaft“ mit initiiert worden war. Die beiden hatten sichauf der Koppenleiten oberhalb Berchtesgadens bei dem zu lebenslan-ger Haft begnadigt gewesenen und daher wiederaufgetauchten Todes-kandidaten des Berliner Volksgerichtshofes Rudolf Kriss in den er-sten Nachkriegswochen näher kennengelernt. Lenz Rettenbeck pro-movierte 1951 in München über die Fica als Gebärde und Amulettund ließ seinen Forschungsbericht zur Gebärdensprache im BJbfVk1964/65 mit jenem Titel von Leopold Schmidt beginnen.
Ein Jahr nach der Festschrift für Spamer erschien schon 1954 derBand VII der genannten Ost- Berliner Akademie- Reihe der Volks-kundler, besorgt von Leopold Schmidt: ,, Das deutsche Volksschau-spiel in zeitgenössischen Zeugnissen vom Humanismus bis zur Ge-genwart". In Westdeutschland gab es um diese Zeit des ersten Nach-kriegsjahrzehnts überhaupt noch keine subventionierten Publikati-onsmöglichkeiten für Volkskundler außer der seit 1953 mit dem 50.Jahrgang in Stuttgart wieder erscheinenden einstigen Berliner ,, Zeit-schrift für Volkskunde", in der Schmidt im kläglich verzögerten 53.Bande 1956/57 einen Aufsatz zu Masken aus dem Moselgebiet publi-zierte. Karl v. Spieß durfte schon im 52. Bande und Richard Wolframgar im 50., dem ersten, mitschreiben. Er hatte auch 1951 in Jugen-