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Wolfgang Brückner
ÖZV LVII/ 106
Auf dem ,, Dritten deutschen Volkskundetag“ vom 16. bis 19. Sep-tember 1934 in Heidelberg, dem ersten unter dem NS- Regime, warder genannte Wilhelm Heinrich Riehl- Preis der deutschen Volkskun-de zum ersten Mal verliehen und durch Adolf Spamer als Vorsitzen-dem des Verwaltungsausschusses der Stiftung der ,, Herbert- Stuben-rauch- Verlagsbuchhandlung Berlin und Leipzig“ öffentlich an denVerbandsvorsitzenden John Meier überreicht worden. Heutige For-schung deutet dies als ein Trostpflaster für seine allmähliche Ausboo-tung bei der ,, Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaften“ unddem ,, Atlas der deutschen Volkskunde“. Damit sind wir wieder inBerlin angelangt: Publikation in der Zeitschrift für Volkskunde desBerliner Vereins, der Stubenrauch- Verlag mit seinen großen, vonSpamer dirigierten volkskundlichen Handbüchern, der Atlas der deut-schen Volkskunde( selbstverständlich inklusive Österreichs und dersogenannten Sprachinseln) und die Notgemeinschaft. Letztere finan-zierte bis zur Übernahme durch das SS- Ahnenerbe 1938 den Atlas,an welchem u.a. Richard Beitl als wissenschaftlicher Mitarbeiterseinen Unterhalt verdiente und weshalb Klaus Beitl in Berlin auf dieWelt gekommen ist. Der Stubenrauch- Verlag gehörte schon seit 1930dem aus Leipzig stammenden Alleininhaber Walter Krieg, der injenem Jahre 1938, als die Pläne für ein volkskundliches Zentralinsti-tut unter Spamers Leitung in Berlin endgültig zerstoben, mit dem,, Anschluß“ Österreichs nach Wien wechseln sollte und dessen Nach-fahren heute noch ein Antiquariat in der Kärtnerstraße besitzen.Stubenrauch war zuvor der Hausverlag von Wilhelm Fraenger, voranvon seinem Berliner ,, Jahrbuch für historische Volkskunde“ gewesen.Dieses ist bekanntlich mit den ,, Marksteinen" I und II des Karl v.Spieß und mit Edmund Mudraks nordischen Publikationen fortge-setzt worden und-- wie ebenfalls jedermann weiß oder wissen sollte-folgten hier in Wien durch Leopold Schmidt die ,,, Neuen Marksteine"des Karl v. Spieß 1955, gegen die wir damals jungen Leute heftigaufgemuckt haben, voran Lenz Kriss- Rettenbeck im BayerischenJahrbuch 1956. Ich selbst fuhr im Jahr des österreichischen Staats-vertrags 1955 mit den noch nicht aus der SPD ausgestoßenen Frank-furter Universitäts- Jusos, dem SDS= Sozialistischer Deutscher Stu-dentenbund, zu Schiller- Feiern nach Ost- Berlin, wo Ernst Bloch ausLeipzig die akademische Festrede hielt.
Am Schiller- Theater Heinrich Georges hatte Wilhelm Fraenger alsDramaturg die NS- Zeit zugebracht und war nun in Ost- Berlin für