2003, Heft 1 Leopold Schmidt und das deutschsprachige Mitteleuropa
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Der für meinen Vortrag schon vor Monaten angekündigte Arbeitsti-tel ,, Leopold Schmidt und die Volkskunde in Westdeutschland 1945-1981" bedarf noch einer weiteren Vorrede, die der neue Titel: ,, Leo-pold Schmidt und das deutschsprachige Mitteleuropa" erheischt. Wirtuen uns nämlich heute wieder leichter damit, so zu formulieren,nachdem es jetzt Europa fast schon gibt und nicht mehr die vierNachkriegsstaaten Bundesrepublik in der NATO, DDR im Warschau-er Pakt und daneben die beiden Neutralen Österreich und dieSchweiz, die soeben der UNO beitritt. Selbst zwischen den beidenKriegen und das war Leopold Schmidts Jugend-, Studien- undPostgraduiertenzeit nach der Promotion von 1935- hatte es noch dasaltgewohnte kulturelle Gemeinsamkeitsbewußtsein der Deutschspra-chigen in Europa und der Welt gegeben, so daß der grenzüberschrei-tende ,, Verband der Vereine für Volkskunde“ mit Sitz in Freiburg imBreisgau sogar noch vom 19. bis 21. September 1938 den ,, Fünftendeutschen Volkskundetag" in Basel abhielt. Der Bericht des Vorsit-zenden John Meier im Jahre 1939 in den Verbandsmitteilungen ent-hält unter den Nachrichten aus der Tätigkeit der Volkslied- Ausschüs-se auf diesem Volkskundetag in Basel folgenden Passus( S. 34f.):,, Unser Mitglied Dr. Leopold Schmidt, der für seine Arbeit, WienerVolkskunde die goldene W. H. Riehl- Medaille erhielt, schrieb über, Die Weihnachtsspiele Niederösterreichs'( Zeitschrift für Volkskun-de) und über die, Volksliedlandschaft Niederösterreich'( Südostdeut-sche Forschungen). Besonders die letzte Arbeit, die in Kreisen derwissenschaftlichen Volksliedforschung lebhaften Anklang gefundenhat, zeigte deutlich, daß solche zusammenfassende, kritische Studiennur auf Grund reichen Materials und gründlicher Vorarbeiten( Biblio-graphien) zu machen sind. Mit dem vorerwähnten Thema befaßte sichauch ein Vortrag des Genannten im Verein für Landeskunde undHeimatschutz für Wien und Niederösterreich. Dr. Schmidt ist esferner gelungen, in Ergänzung der historischen Durcharbeitung derniederösterreichischen Volkslieder die in Niederösterreich gelegenenDruckereien von Flugblattliedern zu ermitteln und eine große Anzahlder Erscheinungen und Offizinen in Privatsammlungen und Provinz-museen festzustellen. Den Katalog, der 334 Lieder umfaßt, konnteder Arbeitsausschuß erwerben, ebenso eine Anzahl von Photokopiender ältesten niederösterreichischen Flugblätter( darunter das älteste:Crembs 1687!)“. Soweit aus dem Bericht zum ,, Fünften deutschenVolkskundetag".