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Herbert Nikitsch
ÖZV LVII/ 106
Eindruck, daß seinerzeit im Wiener Universitätsinstitut² gegenüberSchmidt eine Einstellung vorgeherrscht hat, die man, je nachdem, alsrespektvolle Distanz oder distanzierten Respekt bezeichnen kann.Wozu paẞt, daß etwa Helmut Paul Fielhauer, damals für mich wie fürviele eine gewissermaßen kanonische Instanz, Schmidt gern als,, Positivisten“ bezeichnet hat was wohl nur als zurückhaltendesKompliment gemeint gewesen ist.
Wie immer: Was man weiß, weiß man eben gewöhnlich aus zweiterHand, gebrochen durch Erzählung oder Literatur- auch wenn dieseLiteratur zum Teil ausführlicher autobiographischer Art ist. Diesesbiographische Material³ soll übrigens hier nicht sonderlich bemühtwerden wir halten uns für dieses Mal wohl besser an jene Zeitzeu-gen, die uns dergleichen aus erster Hand erzählen können.4 Gebotenwerden sollen also bloß einige Bemerkungen über die Rolle LeopoldSchmidts in der Volkskunde der österreichischen Nachkriegszeit; undüber das Umfeld, das öffentlich- kulturpolitische wie das fachinterneUmfeld, in dem er diese seine Rolle gespielt hat. Und weil diesesUmfeld seinerzeit vorgeprägt gewesen ist von einem ganz bestimm-ten Fachhabitus, einer ganz bestimmten Fachkultur³, soll dabei auch
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2 Schmidt hatte sich 1946 habilitiert und seine Lehrtätigkeit im Wintersemester1946/47 begonnen wobei er seine Vorlesungen, auch nach Gründung desInstituts für Volkskunde im Jahr 1961( in dem seit Wintersemester 1964/65 derLehrbetrieb aufgenommen wurde) stets im Museum für Volkskunde in derLaudongasse abzuhalten pflegte; erst ab dem Sommersemester 1978 las Schmidtim Institut( das anno 1977 mit Fielhauer einen neuen Vorstand nach RichardWolfram und Károly Gaál bekommen hatte), und dabei blieb es dann bis zu seinerletzten angekündigten Lehrveranstaltung im Wintersemester 1981/82. Siehe dieVorlesungsverzeichnisse der Universität Wien von 1947 bis 1981 sowie GertraudLiesenfeld, Herbert Nikitsch: Neubeginn und verfehlte Sachlichkeit. Zur Volks-kunde Leopold Schmidts. In: Jacobeit, Wolfgang, Hannjost Lixfeld und OlafBockhorn( Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deut-schen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.Wien- Köln- Weimar 1994, S. 603–616, S. 612, Anm. 13 und 14.
3 Angesprochen ist damit vor allem Schmidt, Leopold: Curriculum vitae. MeinLeben mit der Volkskunde. Wien 1982.
4 Siehe neben den Beiträgen dieses Heftes etwa Kretzenbacher, Leopold: MeinFreund Leopold Schmidt. In: Beitl, Klaus( Hg.): Leopold Schmidt Bibliographie.Verzeichnis der wissenschaftlichen Veröffentlichungen 1930–1977(= Buchreiheder Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde N.S./Bd. 3). Wien 1977, S. 5-11;Brückner, Wolfgang: Erinnerungen und Reflexionen zum Tode LeopoldSchmidts. In: Bayerische Blätter für Volkskunde 9, 1982/83, S. 8–15.
5 Nach wie vor allgemein einführend in diesem Zusammenhang zu nennen ist