Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band LVII/ 106, Wien 2003, 1-21
Leopold Schmidt und die Lösung des Gordischen Knotens
Herbert Nikitsch
Der Beitrag skizziert das öffentlich- kulturpolitische und fach-interne Umfeld der Volkskunde in der österreichischen Zwi-schen bzw. Nachkriegszeit sowie die Rolle, die LeopoldSchmidt in diesen beiden Phasen der hiesigen Disziplin ge-spielt hat. Der Schwerpunkt liegt also zum einen auf jenenJahren, in denen Schmidt seine volkskundliche Sozialisa-tion in enger Beziehung zu der damals dominierendenauẞerwissenschaftlichen Orientierung des Faches- erfahrenhat; und zum anderen auf jenem Zeitabschnitt nach der Zäsurdes Jahres 1945, in dem er wesentlich dazu beigetragen hat,die Volkskunde in Österreich als akademische Disziplin neuzu etablieren. Abschließend wird vorsichtig die Frage gestelltnach den persönlichen Dispositionen Leopold Schmidts für( oder auch gegen) bestimmte Erkenntnisinteressen des Fa-ches, als deren hierzulande wichtigster Vertreter er Zeit seinesLebens firmiert hat.
,, Kollegen, Freunde und Schüler"“ sind laut Ankündigung aufgefor-dert, in der Gedenksitzung für Leopold Schmidt sich seiner zu erin-nern- und derart apostrophiert, bin ich mir nicht recht im Klaren,welche dieser Rollen die Veranstalter mir wohl zugedacht haben. Dieersten beiden Beziehungskategorien kommen ja schon alters- undrespekthalber nicht in Betracht; und als Schüler kann sich auch nichtgut verkaufen, wer Leopold Schmidt in dessen letzten Lebensjahrengerade einmal zwei Semester lang als Universitätslehrer erlebt hat.
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In letzterem Zusammenhang wäre höchstens zu fragen, ob undwieweit Leopold Schmidt dem Studenten damals Eindruck gemachthat aber auch da ist nicht viel beizubringen: Als Meister des freienflüssigen Vortrags ist er ja wohl allen, die ihn einmal gehört haben,in Erinnerung geblieben; und ansonsten bleibt in Reminiszenz nur der1 Einladung zur Gedenksitzung für Leopold Schmidt am 8. März 2002 im Öster-reichischen Museum für Volkskunde. In: Volkskunde in Österreich 37, 2002,S. 13. Der vorliegende Beitrag ist die durch Anmerkungen ergänzte Fassungeines im Rahmen dieser Veranstaltung gehaltenen Vortrags.