Literatur der Volkskunde
BUCHANZEIGE
Mella Waldstein, Ulrike Vitovec( Red.): Das Weinviertel.Mehr als eine Idylle
(= Jahrbuch der Volkskultur Niederösterreich 2013).
Weitra: Bibliothek der Provinz 2013, 306 Seiten, zahlr. farb. Abb.
Der hier anzuzeigende Text- und Bildband ist der letzte aus der Reiheder von der>> Volkskultur Niederösterreich« herausgegebenen» Viertels-bücher«<, in der bereits das Mostviertel( 2007), das Waldviertel( 2009)und das Industrieviertel( 2011) behandelt wurden – sämtlich mit durch-weg farbigen Hochglanzillustrationen versehen und mit dem Ziel, diejeweilige Natur- und Kulturlandschaft in ihren verschiedenen Facettenund aus unterschiedlicher Perspektive vorzustellen. Das vorliegendeBuch flankierte die Niederösterreichische Landesausstellung 2013, dieunter dem Titel» Brot& Wein« in Poysdorf und Asparn an der Zayagezeigt wurde, und bietet historische wie gegenwartsbezogene Einblickein das einstige Viertel unter dem Manhartsberg- Einblicke, die tatsäch-lich, wie es der Untertitel verspricht, über ein idyllisierendes und alsoklischeehaftes Bild hinausgehen.
Über die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit stringenter kulturräum-licher Grenzziehungen hat bereits in den 70er Jahren H. P. Fielhauergesprochen( Zur kulturräumlichen Gliederung Niederösterreichs, in:Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde der Universität Wien,Bd 5, 1976), und die Bedenken, wie sie auch für Niederösterreich allenengführenden regionalmonographischen Ansätzen gegenüber ange-bracht sind, müssen hier nicht weiter ausgeführt werden. Dass kulturaleFaktoren in der Regel raumübergreifend sind und solche Grenzziehun-gen eher einem stereotyp- klischierten Landschafts- Image sich verdan-ken, ist ja mittlerweile ein Gemeinplatz.
Auch die Vorstellungen, die man sich gewöhnlich vom Weinviertelmacht, sind nur zu oft von solchen Klischees bestimmt, und das nicht erst,seit Alfred Komarek( dem mit seinen hier ansässigen Schriftstellerkolle-gen ein Beitrag der Lektorin und Verlegerin Sylvia Treudl gewidmet ist)in seinen Kriminalromanen den Gendarmen Polt durch Weinrieden undKellergassen entlang radeln lässt. An den Kellergassen kommt natürlichauch diese Publikation nicht vorbei, die Journalistin und Weinakademi-
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