Jahrgang 
117 (2014) / N.S. 68
Seite
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Literatur der Volkskunde

Akira Iriye, Jürgen Osterhammel( Hg.): Geschichte

der Welt, Bd. 3: Weltreiche und Weltmeere 1350-1750.München: C.H. Beck 2014, 1008 Seiten.

Was interessiert den Europäischen Ethnologen an diesem dritten Bandder>> Geschichte der Welt«<? Herausgearbeitet werden weniger die zahl-reichen punktuellen Verbindungen zwischen den Welten( die es ja seitder Antike gab und die sich auch in der populären Überlieferung wieder-finden), sondern die dominierenden Trends in den freilich insgesamt nurwenig verbundenen Welten.

Von 1350 bis 1750 fallen wichtige Vorentscheidungen auf dem Wegzu einer>> Einheit der Menschheit«<, auch wenn die vergangenen Weltennoch» nach ihren eigenen Regeln aus eigenem Recht«< existieren: Es gibtkeine Teleologie, wohl aber eine» Akkumulation von Kontingenz, dieirgendwann irreversibel wird«<( S. 10 f.). Gerechnet wird» mit einer Hier-archie von verschachtelten> Welten mit jeweils intensiverer Binnenkom-munikation und relativ schwächerer Außenkommunikation«( S. 15).» BisMitte bzw. Ende des 15. Jahrhunderts wussten> Afrikaner<,> Amerikaner<und> Europäer< so gut wie nichts von der Existenz der jeweils anderenzwei> Welten und deren Bewohner. Allenfalls gelangten damals etlicheschwarze Sklaven und vage Nachrichten von den Reichen des Sudandurch Juden und nordafrikanische Moslems ins Mittelmeergebiet. Dannaber setzten Ketten von kontingenten Aktivitäten und Entwicklungendie jahrhundertelange Expansion Europas in Gang.«( S. 17) Was vor derhier behandelten Zeit geschah und was übrigblieb im Denken und in denSymbolwelten der Menschen, ist hier nicht mehr berücksichtigt( Kreuz-züge und Mandeville z. B.).

Erkennbar wird die damalige» Rückständigkeit« Europas. Ihm feh-len militärische und ökonomische Möglichkeiten, die andere zwar haben,aber nicht so nutzen, wie Europäer das später tun. Zitiert wird JohnDarwin( Oxford):» Sieht man[...] von oben auf Eurasien am Ende des14. Jahrhunderts, so spielen europäische Staaten im Geflecht der wirt-schaftlichen, kulturellen und politischen Netzwerke kaum eine Rolle.[...] Vielmehr stelle sich die Position Europas um 1400, global betrach-tet, äußerst düster dar. Es waren Muslime, die den Welthandel kontrol-lierten, und der wichtigste Herrschaftsverbund hieß China, das eine inEuropa zu dieser Zeit noch nicht einmal ansatzweise erkennbare poli-

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