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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVIII/ 117, 2014, Heft 3+ 4
Demungeachtet wäre es sehr zu begrüßen, wenn das Buch als Vor-bild für ähnlich gelagerte Forschungen zur Fach- und Wissensgeschichteunserer Disziplin zu anderen Regionen und Forschungskontexten wir-ken würde. Vielversprechende Beispiele für Regionen, die mit hoherSymbolik, aber auch mit einer Tradition volkskundlich- kulturwissen-schaftlichen Forschungsinteresses ausgestattet sind, existieren zahlreich:Im Appenzellerland, in Tirol, in Bayern, in den Regionen Südschwe-dens, in den Alpen Sloweniens oder in Sardinien- um nur einige zunennen ließen sich mit ähnlichen Fragestellungen spannende Erkennt-nisse über die Dynamiken und Konjunkturen kulturwissenschaftlicherWissensbestände gewinnen. Das Buch zeigt denn auch einleuchtendund beispielhaft, wie fruchtbar für die Bearbeitung vermeintlich» alterThemen« und wie anregend für die gegenwärtige ethnografische Praxissolche Blicke zurück auf die Wurzeln der eigenen Disziplin und auf sichwandelnde Forschungszusammenhänge sein können.
Konrad J. Kuhn
Andrea Euler( Red.): Keramik aus St. Peter bei Freistadt(= Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich, Bd. 38).Linz: Oberösterreichisches Landesmuseum 2014, 305 Seiten.
Wer kennt sie nicht vom Flohmarkt oder hat sogar selbst ein Stückzuhause stehen? Gemeint sind keramische Ziergegenstände wie Scha-len, Kerzenhalter, Deckeldosen, Lampenfüße, Buchstützen, Kakte-entöpfchen, Schreibzeuge, Bowlegarnituren oder einfach nur Vasenund Schüsseln mit starkfarbigen Glasuren, typisch vor allem die oran-gefarbene Uranglasur oder verlaufende Farbglasuren,» Laufglasuren<<genannt. Außergewöhnlich sind die Formen mit durchbrochener Wan-dung oder eingedrückten Seiten, gewelltem Rand, gezwirnten Hen-keln und üppigen Applikationen. Das Repertoire der Dekore umfasstFrüchte, Blumen, figurale und zoomorphe Motive und Alpenblumen.Für manch eine/ n sind die Stücke» Kitsch«, für andere gehören sie zurKunstkeramik. Zwischen den 1920er und den 1950er Jahren waren siebeliebte Ausstattungsgegenstände in der österreichischen Wohnkultur