Chronik der Volkskunde
aus den Herkunftsländern und im öffentlichen Rahmen zu diskutierendieser spannende Abend war ein Schritt in diese Richtung.
Claudia Peschel- Wacha
Maria Lackner- Kundegraber 1924-2014
Im Grazer Bezirk Waltendorf, der damals noch dörflichen Vorstadtcha-rakter hatte, verbrachte die am 28. April 1924 geborene Maria Kundegra-ber ihre Kindheit und Jugend und in unmittelbarer Nähe, in ihrem Hausin Graz St. Peter, ging am 23. Juli 2014 das bewegte und erfüllte Lebender Volkskundlerin Dr. Maria Lackner- Kundegraber zu Ende. Nachzahlreichen beruflich und privat bedingten Ortswechseln war sie in ihrenspäten Jahren» fast wieder in ihre Urheimat zurückgekehrt«<, wie sie esmit eigenen Worten gerne ausdrückte.
Maria, das einzige Kind eines Schneiderehepaars, verlor schon imSäuglingsalter den Vater und die Mutter musste nach diesem Schicksals-schlag die beiden ohne finanzielle Absicherung mit Gelegenheitsarbeitendurchbringen. Trotzdem ermöglichte sie ihrer Tochter eine gute Schul-bildung, die Maria 1943 mit der Matura abschloss. Danach wurde siezum RAD, dem Reichsarbeitsdienst, eingezogen und absolvierte ein hal-bes Arbeitsjahr bei Bergbauern in St. Jakob im Defreggental, das zweitehalbe Jahr Kriegshilfsdienst in der Dynamitfabrik in St. Lambrechtals>> Chemiehilfswerkerin«. Den Arbeitsdienst, vor allem die Monateim Defreggental, bezeichnete sie stets als wichtige Lebenserfahrung inBezug auf ihre späteren volkskundlichen Feldforschungen und den Kon-takt zur Bevölkerung. Das Kriegsende erlebte Maria Kundegraber wie-der in Graz.
Sie inskribierte zunächst Germanistik, Musikerziehung und Englischals Lehramtsstudium, außerdem geschichtliche Hilfswissenschaften.Über die Germanistik fand sie schließlich zur Volkskunde. ViktorGeramb hielt eine Einführungsvorlesung über Volksdichtung unddie junge Studentin war von der Materie und von der PersönlichkeitGerambs derart beeindruckt, dass sie zu Volkskunde als Hauptfach wech-selte, obwohl sie sich bewusst war, dass dies- im Hinblick auf Berufs-
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