Jahrgang 
117 (2014) / N.S. 68
Seite
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neuerDings

40 Jahre Playmobil- 40 Jahre Geschlechterstereotype?

Eine der zentralsten Fragen in einem Museum ist jene nach dem Samm-lungskonzept: Was soll gesammelt werden bzw. was muss trotz finanzi-ellem, personellem und räumlichem Mangel jedenfalls gesammelt wer-den? Ein Museum, das es sich im Sinne der Europäischen Ethnologiezur Aufgabe gemacht hat, Kultur zu erforschen und ihre Objektivatio-nen zu sammeln, sieht sich einem nahezu endlosen Feld an möglichenneuen Objekten gegenüber. Verschiedene Herangehensweisen an dieseFülle wurden in der Museologie und aus der Praxis heraus diskutiert;auch das Volkskundemuseum in Wien hat sich in den letzten eineinhalbJahren verstärkt mit dem Sammeln der Gegenwart auseinandergesetzt,ohne dass der Nachdenkprozess bis dato gänzlich abgeschlossen wäre( und vermutlich wird er es ohnehin nie sein).

Im Volkskundemuseum wird nach wie vor hauptsächlich aus demheraus gesammelt, was zufällig und bevorzugt als Schenkung( auchvon Museumsmitarbeiterinnen und-mitarbeitern) angeboten wird.Gezieltes Suchen nach bestimmten Dingen findet nahezu ausschließ-lich im Rahmen von Sonderausstellungen und ihren vorausgehendenRecherchen statt. Dem Prinzip dieses zufälligen Aufsammelns( analogzum Prinzip der Serendipität, das Merton und Barber als wissenschaft-liche Methode beschrieben¹) folgten die MitarbeiterInnen des Museumsdann auch beim Beschluss, in der Ausstellungsplanung sowie bei derSammlungserweiterung verstärkt auf diverse Jubiläen einzugehen, diezwar nicht völlig zufällig, aber zufällig in Bezug auf das Museum undseine Programmplanung stattfinden.

Die Erfindung des Kunststoff spielzeugs Playmobil jährt sich heuerzum 40. Mal. Dass der Marktanteil dieses» Systemspielzeugs« ² inDeutschland in den letzten Jahren noch anstieg und nun bei acht Prozent

1 Vgl. Robert K. Merton, Elinor Barber: The Travels and Adventures of Serendipity.A Study in Sociological Semantics and the Sociology of Science. Princeton 2004.

2

Als Systemspielzeug wird Spielzeug bezeichnet, das in Sets angeboten wird, meistmit Basis- und Ergänzungssets. Die Figuren waren bei Playmobil anfänglich nurals Beigabe zu Spielzeug- Fahrzeugen gedacht, vgl. Hannah Köpper, Sacha Szabo:>> Playmobil®<< In: Dies.( Hg.):» Playmobil®«< durchleuchtet. Wissenschaftliche Ana-lysen und Diagnosen des weltbekannten Spielzeugs(= Studien zur Unterhaltungs-wissenschaft, 7). Marburg 2014, S. 11-16, hier S. 11.

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