Ansgar Reiß, Zwischen Denkmal und Panorama
Panorama, das uns in eine bunte Kunstwelt entführte, in der man zumBeispiel gar nicht bemerkte, dass das Riesenbild zwar am perspektivischrichtigen Ort, aber in der gänzlich verkehrten Himmelsrichtung präsen-tiert wird, dieses Tirol Panorama tritt uns beim Blick aus dem Fensterals abgegrenzte Architektur gegenüber, die Berge nach der anderen Seitehin sind ebenso real, das Haus ist eingebettet in eine greifbare Umwelt,das Wetter draußen wird wieder fühlbar, der Weg herauf von Wilten istsichtbar. An die Stelle eines imaginierten Ortes tritt wieder ein realer.
Dies könnte museologisch natürlich noch viel detaillierter ausge-führt werden; die Vitrinen in den beiden Gebäuden unterscheiden sich,die Beleuchtung, die Wegführung, die Beschriftungen. Die Gegensätz-lichkeit lässt sich zusammenfassend und vereinfachend als ein Aufein-anderprallen von Altem und Neuem beschreiben. Tatsächlich wurdennatürlich auch im Kaiserjägermuseum viele Elemente, z.B. die Beschrif-tungen auf Saalblättern, ganz neu produziert und anderes, wie Fenster,Bildhängung und Lichttechnik, wurde überarbeitet, aber all dies geschahzurückhaltend und überdeckt jenen Gegensatz nicht.
Das Zusammenspiel der Komponenten
Ergibt sich aber eine lebendige Synthese? Die Voraussetzungen dafürsind gut, denn wie zu zeigen sein wird, gibt es gerade in der Gegen-sätzlichkeit eine Fülle von Korrespondenzen. Es handelt sich, so kanndialektisch argumentiert werden, jedenfalls nicht um eine bloße Buch-bindersynthese, also das, was spöttisch die Synthese der gemeinsamenToiletten genannt werden könnte. Weit darüber hinaus scheint es sichauch nicht nur um ein bloßes Huckepackverfahren in dem Sinne zu han-deln, dass das Alte insgesamt einfach zu einem Element in einer neuenStruktur würde. Das Kaiserjägermuseum ist nicht einfach insgesamtzu einem Museumsobjekt im Tirol Panorama geworden, vielmehr bie-tet es dem Tirol Panorama gewissermaßen Paroli. Dies soll an den dreigenannten Punkten verdeutlicht werden:
1) Die Sammlung: So uninteressant dem modernen Besucher eineGalerie der Regimentskommandeure geworden ist, so sehr er gelang-weilt wird vom heroisierenden Gestus vieler der Gemälde, so unver-ständlich ihm die Bedeutung von Uniformen ist( sie werden im Museumbislang tatsächlich nicht bezeichnet, geschweige denn z.B. als ein System
259