Aufsatz in einer Zeitschrift 
Modo panoramico? : das Tirol Panorama am Innsbrucker Bergisel – Mutmaßungen über die Medienimmanenz des Affirmativen
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Bernhard Tschofen, Modo panoramico?

nicht referiert werden können; das Wesentliche liegt in der Formulie-rung, dass sich in der Begegnung mit den Dingen über die ästhetischeBetörung hinaus ein kognitiver Prozess einstellt:

>> Unter> Resonanz< verstehe ich die Macht des ausgestellten Objekts,über seine formalen Grenzen hinaus in eine umfassendere Welt hinein-zuwirken und im Betrachter jene komplexen, dynamischen Kulturkräfteheraufzubeschwören, denen es ursprünglich entstammt und als derensei es metaphorischer oder bloß metonymischer Repräsentant es vomBetrachter angesehen werden kann.<< 8

Man kann das auch anders formulieren: Eindrucksvollen Dingeneignet etwas Schillerndes, sie irritieren zwar, aber sie erschließen sichauch in- zumindest im Kontext- ihrer Präsenz. Es wäre zu fragen, obdas in den dichten Präsentationen von» Schauplatz Tirol« für die Mehr-heit des Publikums der Fall ist.

Resonanz und Staunen sind freilich keine allein dichotomen Funk-tionen, sondern konstituieren gerade in ihrer wechselseitigen BeziehungMuseumswahrnehmung. Aber sie stellen sich auch nicht von selbst ein.Wenn wie hier immer wieder ein panoramatisches Prinzip den vertie-fenden» langen Blick« verunmöglicht, den Aleida Assmann als Voraus-setzung eines das Gewohnte sprengenden Wahrnehmens und Erken-nens beschrieben hat, bleibt die Begegnung mit den Dingen rasch beieinem ambulanten Beschnuppern stecken⁹. Wandabwicklungen, dielineare Vitrine, dazu der Holismus des Konzepts immer wieder wirdthematisch wie szenografisch zum bloß schweifenden Sehen und Gehenverleitet.

Doch damit hat man sich ein weiteres Problem eingehandelt, das denKern der Unzugänglichkeit dieses mit dem Anspruch der Niederschwel-ligkeit antretenden Hauses auszumachen scheint. Zu ähnlich werden dieModi des Zeigens und Erfahrens im Panorama selbst, in der Ausstel-lung und im Kaiserjägermuseum, das dann auch noch mit einer weiterenAnleihe an den Techniken und Medien des panoramatischen Überblicksendet. Der affirmative Eindruck, den das Ensemble hinterlässt, liegt also

8 Stephen Greenblatt: Resonanz und Staunen. In: Ders.: Schmutzige Riten. Betrach-tungen zwischen den Weltbildern. Berlin 1991, S. 7-29, hier S. 15.

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Aleida Assmann: Die Sprache der Dinge. Der lange Blick und die wilde Semiose.In: Hans Ulrich Gumbrecht, Karl Ludwig Pfeiffer( Hg.): Materialität der Kommu-nikation. Frankfurt a. M. 1995, S. 237-251.

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