Aufsatz in einer Zeitschrift 
Modo panoramico? : das Tirol Panorama am Innsbrucker Bergisel – Mutmaßungen über die Medienimmanenz des Affirmativen
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250 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVIII/ 117, 2014, Heft 3+ 4

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liegt. Sie ist in diesem Haus- nomen est omen omnipräsent, und dieSelbstdarstellung im Internet ist dafür ein gutes Indiz: Alles ist hier Pan-orama, das Riesenrundgemälde, das gebotene historische Panorama derAusstellung, die schöne Aussicht. Hier ist an die Medienspezifik muse-aler Ausstellungen zu erinnern. Sinn stellt sich durch unterschiedliche,an Vertrautes anschließende, aber auch befremdende Wahrnehmungenher. Gelungene Szenografie zeichnet sich daher gerade dadurch aus, dasssie mit wechselnden Modi und damit verbundenen unterschiedlichenBlickregimes, mit Rhythmus und vor allem mit Akzentuierung arbeitet.Gerade letztere vermisst man hier weitgehend: Ausgebreitet wird viel-mehr ein üppig ausgestattetes historisches Tableau, das wieder nur zueiner Wahrnehmung en passant verleitet.

So gleichen die gezeigten Objekte in dem langen linearen>> Show-case<< in>> Schauplatz Tirol«< mehr einer Ansammlung von Überschüssenaus Natur und Kultur des Landes als Objekten mit gezieltem Verweis-charakter. Auch wenn sie nur auratisch sein wollen, steht und fällt ihre» Präsenz« in musealen Präsentationen mit ihrer Begründung, mit ihrerbegründeten Anwesenheit im Kontext eines sinnhaften Gesamtgefüges.Gleichgültig welches historische Wissens- und Präsentationsformat hierPate gestanden haben mag, die Wunderkammer, das Musée Sentimentaleoder das enzyklopädische Schaudepot, hier scheint ein Prinzip gründlichmissverstanden worden zu sein: Es fehlt der gestalterische und erzähleri-sche Verweis auf das, was außerhalb der Präsentation liegt- auf das, wasdie Objekte repräsentieren. Denn diese Doppelfunktion der Museums-dinge, wie sie in der Museumstheorie der vergangenen Jahre mehrfachbeschrieben worden ist, ist konstituierend für den Wissenstransfer imMedium Ausstellung. Stephen Greenblatt hat in diesem Zusammenhangin einem heute noch lesenswerten Essay aus dem Jahre 1990 die beidenDimensionen unseres Reagierens auf Objekte als» Resonanz und Stau-nen«< differenziert. Es gibt eine Reihe vergleichbarer Konzepte, die hier

7>> Heute ist dieser Ort[ der Bergisel, Verf.] ein beliebtes Ausflugsziel im Süden vonInnsbruck mit fantastischem Panoramablick über die Landeshauptstadt und aufdie Nordkette. Zum Gesamtensemble am Bergisel gehört die Panoramarunde. Derrund 2,2 km lange Weg beginnt beim Museum und verläuft rund um den Bergisel.Der Rundwanderweg besticht durch vielfältige Ausblicke auf Stadt und Natur undschlägt darüber hinaus eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart.<<( www.tiroler-landesmuseen.at/page.cfm?vpath=haeuser/das-tirol-panorama-mit-kjm-/

haus, Zugriff: 14.11.2014).