Aufsatz in einer Zeitschrift 
Modo panoramico? : das Tirol Panorama am Innsbrucker Bergisel – Mutmaßungen über die Medienimmanenz des Affirmativen
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVIII/ 117, 2014, Heft 3+ 4

und gedächtnispolitischen Kommentierung. Das kann auch die als histo-rische Ausstellung mit stark inszenatorischem Charakter bühnenhaftund medienlastig in ihrem Auftritt angelegte Hinführung nicht leis-ten. Warum? Der Grund dafür ist banal, aber wesentlich: Weil diesesfür ein Verstehen des Orts und seines zentralen Ausstellungsstücks-dem Panorama selbst- so wichtige Präludium 1809 erklärt und nichtden späteren Blick darauf, nicht Diemer und die Schaulust des späten19. Jahrhunderts samt der Tiroler Geschichtsbegeisterung, sondernHofer& Co.

Ein ähnliches Problem der Perspektive belastet( 2.) das Kaiserjäger-museum, mit dem das Tirol Panorama in seinem Inneren( und damitinhaltlich) enger zusammenrückt als die von außen wahrnehmbare Dis-tanz der baulichen Beziehung vermuten ließe. So wird es als Sammlungund historische Erweiterung eines an sich nicht existierenden integrier-ten Bergisel- Museums wahrgenommen. Und die zaghaften Ansätze,ihm trotz seiner Kleinteiligkeit eine ähnliche Geltung als Objekt in totozu verschaffen wie dem Rundgemälde als seinem ideellen Gegenüber,verlieren sich in den unklaren Übergängen: Wo die Architektur auch imUntergrund der großen Schleuse sich um deutliche Schwellen bemüht,verwischt die Szenografie die Möglichkeiten intelligenten Befremdenszwischen den beiden Gliedern der Anlage: Zu wenig unterscheiden sichdie Objekte einerseits, die Präsentationsweisen andererseits im>> Schau-platz Tirol«< von denen des Kaiserjägermuseums. Da wie dort trifft mander Museumsblick taxiert oft recht unscharf- auf Militärisches, aufHeimatliches und beides in einer fast beängstigende Fülle.

Es spricht Einiges dafür, dass( 3.) hier im» Schauplatz Tirol«< genann-ten zentralen Ausstellungsraum die eigentliche Problemzone des TirolPanoramas liegt. Denn hier ist nun auf einmal Tirol selbst Gegenstandder Ausstellung und wird eine Passage zwischen zwei wirkmächtigenMonumenten ihrer selbst mit einer Fülle von Aufgaben konfrontiert.Das Landesmuseum selbst wirbt mit» Tirol pur«( das die BesucherInnenhier finden können) und versteht den unterirdischen Ausstellungsraumals>> reich gefüllte Schatulle«< 5. Und in der konzeptionellen Darlegungheißt es:» In der Art einer modernen Wunderkammer werden in einem

5 Tiroler Landesmuseen. Schauplatz Tirol( www.tiroler-landesmuseen.at/page.cfm? vpath= haeuser/ das- tirol- panorama- mit- kjm-/ haus/ schauplatz- tirol, Zugriff:

14.11.2014).