Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde117 (2014) / N.S. 68Bonz, Jochen: Im Medium des Panoramas verliert sich der ›lange Blick‹ in Sehlust

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Im Medium des Panoramas verliert sich der ›lange Blick‹ in Sehlust : Symposium »Vom Zankapfel zum Publikumsmagnet? Drei Jahre Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum«, am 11. März 2014, Tirol Panorama, Innsbruck
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Im Medium des Panoramas verliert sich der> lange Blick in Sehlust.Symposium>> Vom Zankapfel zum Publikumsmagnet?

Drei Jahre Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum«, am 11. März 2014,Tirol Panorama, Innsbruck

Mit Michael Zemo Diemers 1896 gemaltem Riesenrundgemälde zurerfolgreichen Schlacht der von Andreas Hofer angeführten TirolerSchützen gegen die napoleonischen Truppen im Jahr 1809 hat» eines derletzten existierenden Panoramabilder des 19. Jahrhunderts«< ¹ seit 2011im>> Tirol Panorama« auf dem Bergisel einen neuen und repräsentativenAusstellungsort gefunden. Repräsentativ nicht nur insofern als das ori-ginale Ausstellungsgebäude, die in der Stadt am Inn gelegene Rotunde,aufgrund seiner Baufälligkeit dem Gemälde nicht mehr ausreichendSchutz bot. Der dem Bergiselplateau aufliegende, von Beton und Glasbestimmte Neubau gewährt diesen nun, und er strahlt außerdem einhohes Maß an Modernität aus. Repräsentativ ist das Tirol Panoramazudem, weil sich das Gemälde nun an dem Ort befindet, den es darstelltund der heute einen mit der Gemäldedarstellung weitgehend identischenAusblick auf Innsbruck, das umgebende Inntal und die gegenüberlie-gende Nordkette eröffnet. Repräsentativ ist der Ort aber nicht zuletztauch, weil der Bergisel sowohl historisch als auch aktuell überdetermi-niert ist, was seine Aufladung mit allgemein kulturellen, vor allem aberspezifisch mit Tirol konnotierten Bedeutungen anbelangt. Dies zeigtsich bereits an der Nachbarschaft der von Zaha Hadid neugestaltetenOlympiaschanze mit dem seit 1880 bestehenden Tiroler Kaiserjägermu-seum( hinzu kommen Mythen wie der Kampf der Riesen Haymon undThyrsos, vorchristliche Grabstätten, das 1893 von Kaiser Franz Josepheingeweihte Andreas- Hofer- Denkmal, die den Bergisel bedrängendeBrenner- Autobahn etc.).

1 Diese Aussage stammt von der Kunsthistorikerin Silvia Eiblmayr, die die Galeriedes Landes Tirol/ Galerie im Taxispalais in Innsbruck von 1999 bis 2009 leitete undist einem Text Eiblmayrs zu der von ihr im Taxispalais kuratierten Ausstellung derMünchner Künstlerin Michaela Melián aus dem Jahr 2003 entnommen. Die Aus-stellung trug den Titel» Panorama«< und zeigte eine panoramatische Annäherung andie Landschaft des zeitgenössischen Innsbruck, der Diemers Gemälde als Referenzdiente. Vgl. Silvia Eiblmayr: Panorama. In: Michaela Melián: Triangel. New York,Berlin 2003, S. 59-64, hier S. 59.

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