222 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVIII/ 117, 2014, Heft 3+ 4
schnellen Urteilen und Lösungen Ängste zu schüren. Es ist wünschens-wert, dass künftig häufiger langsam geschaut wird kein Plädoyer fürWeltfremdheit, sondern für Aufmerksamkeit.29
Das klingt einfacher als es ist, aber die Bemühung darum lohnt sich.Um den Preis manchmal verzerrender oder verkürzender Darstellungenbesteht doch die Chance, in der Auseinandersetzung mit den Medieneinen Perspektivwechsel zu beginnen oder an einem Perspektivwechselmitzuarbeiten, der Kritik an den herrschenden Darstellungen übt.
Zur Notwendigkeit eingreifender Wissenschaft
Damit ist etwas angesprochen, das mir persönlich sehr am Herzen liegtund was im Titel meiner Antrittsvorlesung bereits benannt ist: die Not-wendigkeit eingreifender Wissenschaft im Sinne Pierre Bourdieus, wiesie auch Elisabeth Katschnig- Fasch fasste. 30
Angesichts der problematischen Grenz- und Migrationspolitiken inEuropa gilt es, empirische Ergebnisse und methodisch gewonnene Evi-denz als Argumente entgegenzusetzen, also das zu tun, was wir gelernthaben: wissenschaftliche Arbeit leisten. Die Ideologie der Alternativlo-sigkeit und Unveränderlichkeit präsentiert sich bei genauerem Hinsehenals eine Kette von Autoritätseffekten, mit der» Widerständigkeit vonDingen<< ³¹ militärischem Wissen, rüstungsindustriellen Interessen³²,populistischer Meinungspolitik 33 oder Laissez- Faire- Ideologie, medialerKonstruktion von Krisen etc.
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Ebd.
Bourdieu 1998( wie Anm. 24); Ders: Gegenfeuer 2. Für eine europäische sozialeBewegung(= Raisons d'agir, 7). Konstanz 2001; Elisabeth Katschnig- Fasch: Dasganz alltägliche Elend. Begegnungen im Schatten des Neoliberalismus. Wien 2003.Pierre Bourdieu: Familiensinn. In: Praktische Vernunft. Zur Theorie des Han-delns. Frankfurt a. M. 1998, S. 126–136.
Die ständig wachsenden Budgets für die Agentur Frontex werfen durchaus dieFrage auf, wer denn eigentlich in der Lage ist, die geforderte Technologie zu liefernund zu betreiben.
Vor allem die Berlusconi- Regierung hat mit ihren schillernden Entscheidungen inBezug auf die Südgrenze vieles von dem erzeugt, das bis heute problematisch nach-wirkt.